Schlafstörungen

Schlafstörungen

(Ein- und Durchschlafstörungen, Dyssomnie, Hypersomnie, Insomnie, Tagesschläfrigkeit)

Ein Viertel aller Menschen leidet an zumindest gelegentlich auftretenden Schlafstörungen, bei der Hälfte der Betroffenen ist die Schlafstörung eine behandlungsbedürftige Erkrankung. Ein gesunder Schlaf bildet jedoch die Grundlage für unser körperliches und geistiges Wohlbefinden.

Nächtliche Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnien) und eine Beeinträchtigung der Tagesbefindlichkeit (Hypersomnie) schliessen sich nicht aus, im Gegenteil, sie bedingen sich wechselseitig. Dennoch ist ihre Unterscheidung wichtig und beide Begriffe finden sich in den Definitionskriterien vieler Schlafstörungen:


Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnien)

Die Betroffenen können abends keinen Schlaf finden und wachen während der Nacht häufig auf. Zusätzlich wird der Schlaf als ungenügend erlebt, oder der Betroffene fühlt sich nach der üblichen Schlafzeit nicht erholt. Die soziale oder berufliche Leistungsfähigkeit kann je nach Schweregrad in unterschiedlichem Ausmass beeinträchtigt sein. Begleitsymptome sind je nach Schweregrad Ruhelosigkeit, Reizbarkeit, Angst, Erschöpfung und Müdigkeit.


Tagesschläfrigkeit (Hypersomnie)

Tagsüber tritt exzessive Müdigkeit oder episodisches Einschlafen auf. In leichten Fällen ist dies nur in monotonen Situationen der Fall, in schweren Fällen kommt es auch in Situationen, die erhöhte Aufmerksamkeit erfordern, zum unwillkürlichen Einschlafen. Die soziale und berufliche Leistungsfähigkeit können je nach Schweregrad in unterschiedlichem Ausmass beeinträchtigt sein.


Häufigkeitsverteilung von Schlafstörungen

Verlässliche Daten über die Häufigkeitsverteilung der unterschiedlichen Schlafstörungen in der Bevölkerung existieren nicht, die unterschiedlichen Diagnosen von Patienten mit chronischen Ein- und Durchschlafstörungen in schlafmedizinischen Zentren können aber als Richtwert dienen.
  • Bis zu einem guten Drittel aller Patienten in Spezialabteilungen für Schlafmedizin haben Ein- und Durchschlafstörungen aufgrund einer psychiatrischen Erkrankung wie z.B. einer schweren Depression oder Generalisierte Angst. Insbesondere bei Depressionen haben zirka 95 Prozent aller Betroffenen teilweise massive Schlafstörungen.
  • Bis zu einem Viertel dieser Patienten leiden unter ruhelosen Beinen («restless legs»), periodischen Beinbewegungen im Schlaf oder einem Schlafapnoesyndrom.
  • Bei etwa jedem zehnten Patienten findet sich ein Zusammenhang der Schlafstörung mit Alkoholmissbrauch, Sucht oder Medikamenteneinnahme. Die so genannte psychophysiologische Form von Ein- und Durchschlafstörungen hat eine Häufigkeit von 15 bis 25 Prozent.

Zahlen
  • Schlafstörungen sind ein häufiges Gesundheitsproblem. Untersuchungen in den westlichen Industrieländern haben gezeigt, dass 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung nicht so schlafen, wie sie sich es eigentlich wünschen. Dabei liegt bei der Hälfte der Betroffenen, das heisst bei 10 bis 15 Prozent eine schwere, behandlungsbedürftige Schlafstörung vor.
  • Die Studien haben auch ergeben: Die Beschwerdehäufigkeit ist bei Frauen grösser als bei Männern und nimmt mit dem Alter zu. Fast 40 Prozent der über 65-jährigen leiden an Schlafschwierigkeiten, davon berichten fast die Hälfte von schweren Ein- und Durchschlafstörungen. Mit zunehmendem Alter steigt die Häufigkeit von Schlafbeschwerden weiter an.
  • Übermüdete Menschen leisten weniger, sind erschöpft, unkonzentriert und gereizt, neigen zu Tagesschläfrigkeit, haben ein erhöhtes Unfallrisiko und entwickeln häufig Begleiterkrankungen wie Depressionen.
Untersuchungen haben gezeigt, dass zwei von drei Menschen mit Ein- und Durchschlafschwierigkeiten bereits länger als zwei Jahre an ihren Beschwerden leiden.
  • Patienten mit solchen Schlafstörungen sind meistens chronisch krank und dementsprechend schwer behandelbar. Bezeichnend für die Entstehung solcher chronischen Schlafstörungen ist häufig das Zusammenwirken von psychischem Dauerstress (Partnerschaft, Familie, Beruf) und ein daraus resultierender Erregungszustand (so genannte Hyperarousal) zusammen mit einem gelernten Fehlverhalten im Umgang mit dem Schlaf. Das Hyperarousal geht einher mit einer ständigen Bereitschaft zur Stressreaktion.
  • Etwa jeder fünfte Patient einer Allgemeinarztpraxis und immerhin ein Drittel der Patienten einer nervenärztlichen Praxis haben eine Schlafstörung.
Die Häufigkeit von Schlafstörungen bei seinen Patienten ist dem betreuenden Arzt grösstenteils nicht bekannt, da nur knapp ein Fünftel aller Schlafgestörten gezielt um ärztliche Hilfe bitten. Dahinter steht die Angst, dass der Arzt ja doch nur ein Schlafmittel aufschreiben wird. Möglich ist auch die Befürchtung, dass der Arzt gerade wegen des Suchtpotentials die vorübergehende Verschreibung eines Schlafmittels verweigert.

Um weder eine Tablettensucht noch die Verachtung des Arztes zu riskieren, leiden viele Patienten lieber weiter oder wenden sich an die Alternativmedizin.


Mittagsschlaf

Einige historische Berühmtheiten hatten die segensreiche Wirkung, tagsüber ein Schläfchen zu halten, begriffen. Winston Churchill zum Beispiel machte tagsüber mehrere Nickerchen, um bis spät in die Nacht arbeiten zu können. Auch der amerikanische Präsident Lyndon Johnson war ein überzeugter Mittagsschläfer. Um lange Arbeitstage besser durchhalten zu können, zog er sich mitten am Tag seinen Schlafanzug an und legte sich für eine halbe Stunde ins Bett.

Der regelmässige Mittagsschlaf ist eine natürliche Antwort auf ein körperliches Signal. Denn auch der erwachsene Mensch hat zwei Müdigkeitsgipfel: einen zur Nachtzeit, den anderen am frühen Nachmittag. Dass der Mittagsschlaf bei Erwachsenen heute kaum mehr eine Rolle spielt, hat damit eher soziale Gründe, die mit unserem geregelten Arbeitsleben zusammenhängen. Wird tagsüber ein Mittagsschlaf gehalten, bedeutet dies unter Umständen jedoch auch, das die Müdigkeit nachts geringer ist. Deshalb ist es wichtig, dass Menschen mit Einschlafproblemen entweder ganz auf ihren Mittagsschlaf verzichten oder ihn bei ihrer Planung der Schlaf-Wach-Zeiten berücksichtigen.

Häufig wird auch Patienten, die sich über extreme Tagesmüdigkeit beklagen, von Ärzten und Therapeuten ein Mittagsschlaf vorgeschlagen. Selbst wenn dies zeitlich möglich wäre, sind die Betroffenen allerdings oft gar nicht dazu in der Lage. Denn wenn die Tagesmüdigkeit durch Ein- und Durchschlafstörungen aufgrund von Stress und Sorge bedingt ist, werden diese Gefühle leicht verstärkt, wenn der Betroffene alleine daliegt und von nichts abgelenkt wird.

Die Gründe, warum Menschen in der Nacht nicht schlafen können, sind dieselben, warum sie am Tag kein Nickerchen machen können! Menschen im Klammergriff von Sorge und Stress schlafen nur ein, wenn sie nicht darauf gefasst sind, wie beim Autofahren, Arbeiten oder Ausführen einer anderen mechanischen, aber ablenkenden Tätigkeit.


Schlafschulden

Wie sich Menschen vom Schlafmangel erholen, nachdem sie Schlaf bekommen haben, ist von den Schlafforschern noch nicht gut untersucht worden. Jedoch deutet alles darauf hin, dass der angehäufte Schlafmangel irgendwann zurückbezahlt werden muss.

Diese Schlafschuld kann sich über viele Tage in kleinen Schritten angehäuft haben. In einer Fünftagewoche zum Beispiel während der man acht Stunden pro Nacht bräuchte, aber nur sechs bekommen hat, würde sich eine Schlafschuld von zehn Stunden aufbauen. So gesehen genügt es nicht, am sich anschliessenden Samstag bis Mittags auszuschlafen, um die zehn verlorenen Stunden plus die jede Nacht erforderlichen acht Stunden zurückzuzahlen - der Betroffene müsste eigentlich bis etwa 17 Uhr schlafen, um das Schlafkonto wieder auszugleichen. Natürlich schlafen die meisten Leute nicht so lange. Die meisten werden ein bis zwei Stunden länger schlafen und sich beim Aufstehen besser fühlen. Doch die Schlafschuld macht sich später am Tag wieder bemerkbar. Dabei werden mit zunehmender Schlafschuld die eigene Energie, Stimmung und Wahrnehmung beeinträchtigt.

Renommierte Schlafmediziner gehen davon aus, dass zum Beispiel junge Erwachsene aufgehäufte Schlafschulden von zehn bis zwanzig Stunden haben. Zusätzlich kommen die Stunden hinzu, die sich aus dem täglichen 15- bis 16-stündigen Wachsein ergeben. Sie gehen ausserdem davon aus, dass mit acht bis neun Stunden Schlaf pro Nacht der tägliche Schlafbedarf vollständig abgedeckt ist. Kommen jedoch weitere zehn bis zwölf Stunden Schlafschulden aufgrund mangelnder Schlafdauer hinzu, wird die Erledigung der Tagesaufgaben eindeutig und unübersehbar beeinträchtigt. Jemand, der zum Beispiel den Tag mit fünfzig Stunden angesammelter Schlafschulden beginnt, erreicht die Obergrenze dessen, was ein gesunder Erwachsener verkraften kann.

Menschen mit starken Schlafschulden bewegen sich in einem Dämmerzustand der Schläfrigkeit und ihr Leben ist voller extremer Gefährdungen. Schläfrigkeit, das Gefühl von schweren Augenlidern, die kaum aufzuhalten sind, ist die letzte Stufe vor dem Einschlafen, nicht die erste!
 
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