Schädel-Hirn-Trauma

Schädel-Hirn-Trauma

(Schädelhirntrauma, SHT)

Ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT) stellt eine Verletzung am Kopf dar, bei der der Schädelknochen, das Gehirn, die Hirnhäute und die Blutgefässe im Gehirn beschädigt werden. Blutungen in den Schädel hinein können die Folge sein.

Ein Schädel-Hirn-Trauma, abgekürzt SHT, entsteht durch äussere Gewalteinwirkung. Dies kann durch einen Unfall passieren, z.B. mit dem Velo oder Snowboard, oder auch durch einen starken Schlag auf den Kopf verursacht werden. Dabei werden die inneren Strukturen des Kopfes verletzt: Schädelknochen, Blutgefässe, Gehirn und Hirnhäute. Ist die Verletzung schwerwiegend, können als Folge davon Hirnblutungen oder Hirnödeme auftreten.

Besonders gefährlich sind Verletzungen, die eine Eröffnung des Schädels verursachen. Dadurch entsteht eine Verbindung zwischen der Aussenwelt und dem Schädelinnern, es drohen Infektionen und Hirnhautentzündungen. Man nennt eine solche Verletzung offenes Schädel-Hirn-Trauma.


Coup- und Contre-coup-Effekt

Einen speziellen Mechanismus einer schwereren Schädel-Hirn-Verletzung stellt der Coup- und Contre-coup-Effekt dar. Beim Aufprall des Schädels gegen ein Hindernis kommt es an der Aufprallseite zu einem Überdruck. Dieser verursacht eine Zerreissung von Gefässen und eine Schädigung der Hirnsubstanz. Am Gegenstosspol (auf der gegenüberliegenden Seite der Verletzung) entsteht ein Unterdruck, welcher gleichartige Verletzungen verursacht.


Einteilung der SHT-Schweregrade

Früher wurde beim SHT zwischen Commotio cerebri (Gehirnerschütterung), Contusio cerebri (Hirnprellung) und Compressio cerebri (Hirnquetschung) unterschieden. Im ärztlichen Alltag hat sich dies nicht bewährt. Heute unterteilt man ein SHT in die Schweregrade 1 bis 3, je nachdem, wie schwerwiegend die Verletzungen und die Hirnfunktionsausfälle sind. Dabei wird die «Glasgow Coma Scale» als Mittel zur Einteilung eingesetzt. Sie bewertet, wie gut ein Patient auf Reize reagieren kann:
  • Augenöffnen: Hat der Patient die Augen offen? Öffnet er sie, wenn man ihn anspricht?
  • Sprachliche Reaktion: Gibt der Patient Antwort auf Fragen? Sind die Antworten verständlich oder gibt er nur unverständliche Laute von sich?
  • Motorische Reaktion: Wie reagiert der Patient, wenn man ihm einen Schmerzreiz zufügt? Streckt er sich? Beugt er seine Arme? Oder reagiert er gar nicht?
Mittels dieser Fragen ergibt sich ein Punktetotal («score»), welches etwas über die Schwere der Hirnverletzung aussagt. Das Maximum beträgt 15 Punkte. Mittels dieser Skala kann ein Arzt bereits am Unfallort erkennen, wie schwer die Verletzungen sind, die der Patient erlitten hat. Je nach Schwere sind die Prognosen anders und es sind andere Massnahmen zu treffen.


SHT 1. Grades
(13-15 Punkte)
Entspricht der Gehirnerschütterung. Es stellt die einfachste Form des SHT dar und führt zu einer kurzfristigen Beeinträchtigung der Hirnfunktion. Definitionsgemäss bilden sich sämtliche Symptome innerhalb von vier Tagen wieder zurück. In der Regel sind im CT (Computertomogramm) keine Schädigungen des Hirns feststellbar.

SHT 2. Grades
(9-12 Punkte)
Die Bewusstlosigkeit kann bis zu einer Stunde betragen. Die neurologischen Störungen (Lähmungen, Gefühlsstörungen etc.) bilden sich innerhalb eines Monats zurück, die vegetativen Störungen wie anhaltende Kopfschmerzen, Schwindel, Merk- und Konzentrationsschwäche können jedoch viele Monate oder sogar Jahre bestehen. Beim SHT 2. Grades ist eine Behandlung auf der Intensivstation angezeigt.

SHT 3. Grades
(< 9 Punkte)
Bei dieser schweren Form des SHT dauert die Bewusstlosigkeit mehr als eine Stunde, die neurologischen Ausfälle sind erheblich, ebenso die vegetativen Störungen. Fast immer ist ein Hirnödem vorhanden und oft werden beim Patienten Krampfanfälle beobachtet. Ein SHT 3. Grades wird in der Regel nicht folgenlos überstanden. Krampfanfälle, Lähmungen und psychische Veränderungen sind als Dauerfolgen möglich. Dies hängt vom Ausmass und der Lokalisation der Verletzung ab. Eine schnelle intensivmedizinische Behandlung ist äusserts wichtig.


In den westlichen Ländern sind Schädel-Hirn-Traumata eine der häufigsten Todesursachen der unter 40 Jährigen, bei den 15 bis 20 Jährigen sogar die häufigste. Um die Überlebenschancen zu verbessern, sind einerseits schnelle Diagnose und Behandlung, andererseits auch erfolgreiche Prävention erforderlich.

 
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