Manien

«Manie» kommt ursprünglich aus dem Griechischen und bedeutet «ausser sich sein», Wahnsinn, Raserei, Sucht. In der Medizin bezeichnet man damit eine psychische Krankheit, die wie die Depression zu den affektiven Störungen oder affektiven Psychosen gehört. Es ist also eine Krankheit der Stimmungslage. Meist tritt sie nicht allein auf, sondern abwechselnd mit depressiven Phasen.

In vielerlei Hinsicht stellt die Manie das Gegenteil einer Depression dar: sie zeigt sich oft durch heitere Stimmung («himmelhoch jauchzend»), gesteigerten Antrieb und beschleunigtes Denken. Die Patienten fühlen sich voller Tatendrang, zeigen rastlose Aktivität und Unruhe, reden viel und laut.

Nicht alle Manischen aber wirken fröhlich und ausgelassen. Ebenso viele sind gereizt, streitsüchtig und aggressiv. Alles in allem kann man sagen, dass ein manisch Kranker an einem Zuviel an Gefühlen, Antrieb und Impuls leidet. Er kann seine Gedanken nicht mehr ordnen, keinen klaren Kopf mehr bewahren.

Ein solcher Zustand tritt entweder nur einmal oder aber immer wieder in Schüben auf. Die wiederkehrende, phasenweise verlaufende Form ist weit häufiger und bedeutet, dass der Patient im Laufe seines Lebens viele solcher Anfälle bekommt, die im Durchschnitt vier bis sechs Monate dauern. Zwischen diesen Episoden treten keine Symptome auf.

Bei den meisten Patienten kommen nicht nur manische Phasen vor, sondern diese wechseln sich mit depressiven Phasen ab, zum Teil direkt ineinander übergehend. In diesen Fällen sind also zwei mehr oder weniger gegenteilige Symptome, zwei «Krankheits-Pole» vorhanden. Hier spricht man deshalb von bipolaren affektiven Störungen (im Gegensatz zu einer reinen Manie oder einer reinen Depression als unipolare Erkrankung).


Besondere Verlaufsformen der Manie

Hypomanie Nicht immer sind die Symptome so stark ausgeprägt wie oben beschrieben. Leichte Manien sind häufig und werden als Hypomanien bezeichnet. Trotzdem sind auch hier die Folgen für den Betroffenen und sein Umfeld gross.

Rapid Cycling Bei dieser Verlaufsform erfährt der Patient mindestens vier Krankheitsphasen pro Jahr. Die Episoden sind demnach eher kurz, treten aber öfters ein.

Manisch-depressiver
Mischzustand
Bei dieser Krankheitsform bestehen depressive und manische Symptome gleichzeitig oder ganz kurz hintereinander. Sie sind selten und treten meist beim Übergang von der depressiven in die manische Episode oder umgekehrt auf.

Schizoaffektive
Psychose
Oft werden in manischen Episoden paranoide, halluzinatorische oder katatone Symptome beobachtet. Treten diese Symptome langdauernd auf, spricht man nicht mehr von uni- oder bipolaren affektiven Störungen, sondern von schizoaffektiven Psychosen.


Häufigkeit

1,5 Prozent aller Menschen erkranken irgendwann im Leben an einer Manie; Männer sind gleich häufig betroffen wie Frauen. Der grösste Teil der Erkrankungen tritt zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auf, wobei bipolare Störungen früher als unipolare beginnen.


Auswirkungen

Eine Manie hat schwere Auswirkungen. Das Risiko, sich im beruflichen und sozialen Bereich zu schaden, ist hoch. Manch ein Betroffener gibt massenhaft Geld aus für sich und seine Freunde und verschuldet sich damit. Oder er verliert jegliche Hemmungen gegenüber seinen Mitmenschen, unabhängig davon, ob er sie kennt. Sein Selbstwertgefühl steigert sich bis zum Grössenwahn und es zeigen sich aggressive Verhaltensweisen.

All dies ist für das Umfeld eines Manischen eine schwere Last, die zu Beginn oft nicht erkannt oder falsch verstanden wird. Eine gründliche Aufklärung und Miteinbeziehen der Angehörigen in die Therapie ist deshalb wichtig.
 
Lexikon Navigation
 
Werbungen