«Komplementärmedizin» ist ein Sammelbegriff für eine Vielfalt von Behandlungsmethoden, Diagnoseverfahren und Heilmitteln - zum Teil mit langer, auch kulturell bedingter Tradition, zum Teil erst in jüngerer Zeit entwickelt. Zum Dossier Komplementärmedizin
Dr. Peter Heusser, Dozent für Anthroposophische Medizin an der Universität Bern, erklärt, was die einzelnen Begriffe bedeuten:
- Integrative Medizin: Sie kombiniert Elemente aus verschiedenen medizinischen Richtungen individuell zu einem Ganzen.
- Komplementärmedizin: «Ergänzend», also hat auch das Konventionelle Platz. Bezeichnet die von Ärzten zusätzlich zu schulmedizinischen Massnahmen ausgeübte sanfte Medizin.
- Sanfte Medizin: Medizin mit weniger Nebenwirkungen, zum Beispiel durch Pflanzenpräparate und homöopathische Mittel. Allerdings können auch Pflanzen Nebenwirkungen haben, jedoch in der Regel bedeutend weniger als allopathische Mittel.
- Alternativmedizin: Bei uns oft gebraucht für die von Laien nach Schnellkursen ausgeübten unkonventionellen Heilverfahren. Qualitativ eher problematisch.
- Anthroposophische Medizin: Naturwissenschaftliche, von regulär ausgebildeten Ärzten ausgeübte Medizin, die durch geisteswissenschaftliche Erkenntnisse erweitert wird und den ganzen Menschen – Körper, Leben, Seele und Geist – berücksichtigt.
- Naturmedizin: (natürliches Heilen) Heilmethoden, die sich nur auf Substanzen und Prozesse der Natur stützen. Nicht immer optimal, da der Mensch nicht nur ein Naturwesen ist wie das Tier, sondern auch ein Kulturwesen. Er kann die Substanzen und Prozesse der Natur zum Menschengebrauch weiterentwickeln. Das gilt für die konventionelle Pharmazie wie für pharmazeutische Verfahren der Spagyrik, der Homöopathie und der Anthroposophischen Medizin. Die Frage ist, in welcher Art die weitergeführten Naturprozesse der menschlichen Organisation entsprechen.
- Homöopathie: Heilmethode, die mit rhythmisch verdünnten (= potenzierten) Substanzen Krankheitsprozesse behandelt, die jenen Krankheitsprozessen ähnlich sind, welche durch dieselben Substanzen im unverdünnten Zustand hervorgebracht werden.
- Spagyrik: Diese Art der Verarbeitung von Arzneipflanzen bewirkt im menschlichen eine Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Pflanzen werden in einem vielstufigen Prozess verarbeitet und in flüssiger Form unter die Zunge gesprüht. Sie bewähren sich bei akuten wie bei chronischen Krankheiten.
- Phytotherapie/Pflanzenheilkunde: Die schulmedizinische Richtung stützt sich nur auf analysierte Wirkstoffe und deren Chemie, die komplementärmedizinische Richtung auch auf ganzheitliche Lebenskräfte, die in den Pflanzen wirken.
- Ganzheitliche Heilmethoden: Solche, die nicht nur die Moleküle und den physischen Körper, sondern auch die Faktoren des Lebens, des Seelischen und des Geistigen berücksichtigen.
- Schulmedizin: An Universitäten gelehrte, naturwissenschaftlich begründete Medizin; stellt molekulare Grundlage von Krankheiten ins Zentrum. Der Umgang mit Selbstheilungskräften ist ihr weniger geläufig. Sehr erfolgreich in der - und Notfallmedizin. Auch ein naturheilkundlicher Arzt braucht eine schulmedizinische Grundlage.