Angsterkrankungen gehören weltweit zu den häufigsten psychiatrischen Störungen. Eine Form - das generalisierte Angstsyndrom - maskiert sich hinter einer Vielzahl körperlicher und psychischer Symptome und tritt häufig im Zusammenhang mit einer Depression auf.
Kinder haben vor Dunkelheit. Erwachsene fürchten Gewitter. Im Alter wächst die vor Krankheiten, Einsamkeit und Tod. ist ein unvermeidlicher, aber auch notwendiger Bestandteil menschlichen Daseins. Zur Krankheit wird erst, wenn sie unangemessen stark ist, zu oft und zu lange auftritt, mit Kontrollverlusten (z.B. Blamage in der Öffentlichkeit) oder Zwangshandlungen (z.B. Waschzwang) verbunden ist, starkes Leid verursacht und dazu führt, dass man den Auslösern aus dem Weg geht.
hat viele Gesichter und viele Namen. Am weitesten verbreitet sind
Phobien - Ängste vor Hunden, Spinnen (Arachnophobie), freien Plätzen (Agoraphobie), engen Räumen (Klaustrophobie), Menschen (soziale Phobie), vor dem Fliegen -
Zwangserkrankungen sowie
Panikstörungen. Eigenständiges Krankheitsbild
Eine Form der Angststörungen, die generalisierte Angsterkrankung (GAE), auch generalisierte Angststörung oder generaliertes Angstsyndrom (GAS) genannt, ist selbst unter Medizinern erst seit wenigen Jahren bekannt. Nicht, weil sie so selten wäre, sondern weil neue neurobiologische und psychologische Forschungserkenntnisse sowie eindeutige und spezifische Diagnosekriterien (International Classification of Diseases, ICD-10; Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, DSM IV) eine genauere Unterteilung der Angsterkrankungen zugelassen haben.
Es handelt sich um ein eigenständiges Krankheitsbild, das sich von anderen Angsterkrankungen wie den Phobien oder Panikstörungen unterscheidet. Dagegen fällt die Abgrenzung zu depressiven Störungen oft schwer. Zum einen ist mittlerweile bekannt, dass hinter vielen depressiven Symptomen ursprünglich nicht erkannte und nicht behandelte Angststörungen stehen. Zum anderen ist ein zentrales Merkmal einer Depression. Eine gravierende Unterscheidung gibt es dennoch:
Hauptsymptom
Das Kernsymptom der GAE sind
unrealistische Befürchtungen über vielfältige Alltagsaspekte. Deshalb der Begriff «generalisiert». Die ist nicht nur an bestimmte Umgebungsbedingungen oder eine Situation gebunden, sie äussert sich vielmehr in der
Sorge um alles und jeden. So könnte der Partner auf dem Weg zur Arbeit oder das Kind in der Schule einen Unfall erlitten haben. Oder es könnten schon bald finanzielle Einbussen drohen. Auf den ersten Blick mögen diese Befürchtungen nicht krankhaft erscheinen, sie beherrschen die Betroffenen jedoch tage-, wochen-, monatelang und behindern ihr tägliches Leben.
Das Leitsymptom der GAE ist das stets wiederkehrende Gefühl von nahender Katastrophe, nach dem Motto: «Ich weiss, dass die Welt voller Gefahren steckt.»
Die sich daraus entwickelnden Begleitsymptome betreffen die Seele und den Körper in vielfältigen Variationen, etwa in Form von Nervosität, Zittern, Atemnot, Muskelverspannungen, Schwindelgefühlen oder Oberbauchbeschwerden. Der erste Weg führt diese Patienten daher meist zum Hausarzt. Die Suche nach einer körperlichen Erkrankung endet in der Regel erfolglos, die Kranken werden mit Beruhigungsmitteln behandelt.
Aufklärung und Informationen sind daher von grosser Wichtigkeit. Beides trägt auch dazu bei, dem Stigma entgegenzuwirken, das psychischen Erkrankungen anhaftet und das viele Angstpatienten daran hindert, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.