Burnout

Schiller
Burnout ist kein Modewort, mit dem Manager ihr Versagen kaschieren oder Politiker eine Depression schönreden, sondern eine schwere Erkrankung, die alle treffen kann. Sie ist typisch für unsere Zeit, verursacht durch den enormen Leistungsdruck in der hektischen Arbeitswelt. Man fühlt sich körperlich und seelisch ausgebrannt, erschöpft, dem Druck nicht mehr gewachsen. Tut man nichts dagegen, ist oft eine schwere Depression die Folge. 

Erstmals benutzt wurde der Begriff «Burnout-Syndrom» 1974 vom amerikanischen Psychoanalytiker Herbert J. Freudenberger. Er hatte bei Ärzten einen Zustand körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfung durch andauernde und wiederholte Belastungen festgestellt. Dabei beginnt das «Ausbrennen» ganz harmlos: Mit Spannungen, die entstehen, wenn die Erwartungen und Ziele eines Menschen nicht übereinstimmen mit den Anforderungen und der Realität im beruflichen Alltag. Harmlos bleiben die Spannungen über die Jahre allerdings nicht. Eine ganze Reihe von Symptomen plagt Körper, Seele und Geist – und führt am Schluss zur völligen Erschöpfung.

44 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer leiden laut Gesundheitsbefragung unter starken nervlichen Anspannungen am Arbeitsplatz. 38 Prozent der Frauen und 21 Prozent der Männer, die gestresst sind, klagen darüber hinaus über heftige körperliche Beschwerden

Burnoutgefährdet sind Menschen, die...
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in hohem Mass pflichtbewusst und leistungsbereit sind

... sich stark mit ihrer Arbeit identifizieren
... zum Perfektionismus neigen
... abhängig sind von der Bestätigung anderer
... die eigenen Bedürfnisse vernachlässigen
... für die eigenen Gefühle wenig empfindsam sind

Burnout und Stress am Arbeitsplatz machen krank – und kommen die Schweiz teuer zu stehen: Das Seco schätzt die volkswirtschaftlichen Kosten auf 4,2 Milliarden Franken pro Jahr. Darin enthalten sind die Medikamente (348 Millionen), die ärztliche Behandlung (1414 Millionen) und der Produktionsausfall wegen Fehlen am Arbeitsplatz (2434 Millionen).


Was Unternehmen tun können

Wer von Burnout verschont bleiben will, muss selbst dafür sorgen. Aber nicht nur. Auch die Unternehmen sind in der Pflicht. Sie sollten ihre Vorgesetzten darin schulen, das gesundheitsgefährdende Verhalten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu erkennen – die Neigung zu Perfektionismus, eine hohe Identifikation mit der Arbeit, ihre enorme Leistungsbereitschaft, das Negieren von eigenen Bedürfnissen. Und sie müssen bereit sein, gesunde, stressfreie Arbeitsplätze zu schaffen.

Zehn Punkte, die bei der psychologischen Arbeitsplatzgestaltung zum Erfolg führen:

1. Gratifikationskrisen vermeiden Zwischen Anstrengung und Belohnung muss ein Gleichgewicht bestehen. Mitarbeiter geben ihrem Unternehmen Wissen, Zeit, Identifikation, Leistung, Engagement, Persönlichkeit. Sie erhalten vom Unternehmen Lohngerechtigkeit, Arbeitsplatzsicherheit, Weiterbildungs-, Karriere- und Einflussmöglichkeiten. Ist die Verausgabung gross und die Belohnung klein, droht eine so genannte Gratifikationskrise, welche die Gesundheit gefährdet. Studien zeigen: Gratifikationskrisen erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um das Zwei- bis Vierfache.

2. Interessante Aufgaben übertragen Mitarbeiter sollten die Möglichkeit bekommen, nicht nur einzelne Teile, sondern ganze Produkte herzustellen und Dienstleistungen von A bis Z zu erbringen. Studien zeigen: Wer vollständige Aufgaben bekommt, beklagt sich seltener über Muskel- und Skeletterkrankungen.

3. Das Recht auf Freizeit respektieren Ohne Stress in die Ferien fahren! An einem Arbeitstag pro Woche um 16 Uhr nach Hause gehen! Am Wochenende keine geschäftlichen Telefonate führen! Das bedeutet: Das Unternehmen akzeptiert, dass jeder Mitarbeiter ein Recht auf Freizeit hat. Am besten leben die Vorgesetzten die so genannte Work-Life-Balance selber vor.

4. Regulationshindernisse abbauen Bürokratie macht krank! Formulare für den Bezug eines Bleistifts, neue Software, die den Computer abstürzen lässt, lange Wartezeiten für einfache Anliegen: Dies nennen die Arbeitsmediziner Regulationshindernisse – Arbeitsbedingungen, welche die Mitarbeiter behindern und ihnen unnötigen zusätzlichen Aufwand abfordern.

5. Faire Anforderungen stellen Wer veraltete, unverkäufliche Ware an den Mann bringen und erst noch einen hohen Gewinn erzielen soll oder ständig innert kürzester Frist eine enorme Arbeitsleistung erbringen muss, arbeitet in einem Unternehmen, das widersprüchliche Anforderungen stellt. Solche sind stark stressauslösend.

6. Soziale Unterstützung bieten Mitarbeiter brauchen soziale Unterstützung – Wertschätzung, Verständnis, Mitgefühl. Und für die Lösung von Problemen bei der Arbeit sind direkte Hilfe, Ratschläge und Informationen nötig. Soziale Einbettung in ein Unternehmen bedeutet auch: keine Berührungsängste zwischen Vorgesetzten und Angestellten. Studien zeigen: Mitarbeiter, die soziale Unterstützung erhalten, fühlen sich besser und haben weniger physische und psychische Krankheiten.

7. Weiterbildung macht stark Weiterbildung verbessert die Chancen der Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt und verkleinert die Angst vor Jobverlust. Weiterbildung in Sachen Burnout sensibilisiert Mitarbeiter und Unternehmensführung auch auf die Warnzeichen und Gefahren.

8. Mitreden schafft Zufriedenheit Partizipation macht glücklich: Mitarbeiter, die Arbeitsabläufe mitgestalten können und an Entscheidungen beteiligt werden, erfahren Wertschätzung und bleiben gesund. Wer ausserdem selbst Verbesserungsmassnahmen gegen Stress vorschlagen und umsetzen kann, ist ein glücklicherer Arbeitnehmer.

9. Handlungsspielraum lassen Mitarbeiter brauchen einen möglichst grossen Handlungsspielraum. Nur so ertragen sie hohe Belastungen, ohne krank zu werden. Mit dem Chef legen sie das Ziel des Auftrags fest. Auf welchem Weg sie es erreichen, ist ihnen überlassen. Studien zeigen: Mitarbeiter mit grossem Handlungsspielraum am Arbeitsplatz haben in der Nacht einen tieferen Puls und einen niedrigeren Blutdruck. Dagegen leiden z.B. Krankenschwestern, die ihre Zeit kaum selbst einteilen können, häufiger an Rückenschmerzen.

10. Arbeitsverdichtung vermeiden Die so genannte Arbeitsverdichtung – zunehmende Belastung im Job, Mehrarbeit und Zeitdruck – hat laut zahlreichen Studien negative gesundheitliche Auswirkungen auf verschiedene Organsysteme. Sie führt zu Schlaflosigkeit, nervösen Magenbeschwerden und Herzrhythmusstörungen.

 
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