Diese Augenveränderungen sind jedoch nur ein - wenn auch markantes - Nebensymptom der Erkrankung, das bei etwa zwei Drittel der Patienten auftritt. Der eigentliche Schauplatz der Erkrankung ist die Schilddrüse, die durch körpereigene Antikörper stimuliert wird: Der Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung, bei der sich fehlgeleitete körpereigene Abwehrmechanismen primär gegen das Gewebe der Schilddrüse richten und dort zu einer Überfunktion mit erhöhter Freisetzung von Schilddrüsenhormon führen. Sekundär sind verschiedene weitere Organsysteme, insbesondere die Augenhöhlen, betroffen. Diese so genannte
endokrine Orbitopathie tritt bei praktisch allen Basedow-Erkrankten auf, ist jedoch von unterschiedlicher Dauer, Schwere und Ausprägung.
Ursachen noch nicht geklärt
Die Ursachen des Morbus Basedow sind noch nicht umfassend geklärt. Diskutiert wird ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren, beispielsweise genetischer Art. Zum anderen scheinen auch Virusinfektionen und andere Umwelteinflüsse eine Rolle zu spielen. Nicht zuletzt wirken sich auch hormonelle und psychische Zustände auf die Funktion des Immunsystems aus.
Am häufigsten bei Frauen über 35
Morbus Basedow tritt meistens nach dem 35. Lebensjahr auf und trifft überwiegend Frauen (auf sieben erkrankte Frauen kommt ein erkrankter Mann). Ca. 1-6 Prozent der Bevölkerung sind betroffen. Familiäre Häufungen sind möglich, was auf eine genetische Komponente hinweist. Schweregrad und Verlauf der Erkrankung können sehr unterschiedlich sein; unbehandelt kann sie zum Tode führen. Schilddrüsenhemmende Medikamente erreichen in vielen Fällen eine vollständige oder vorübergehende Heilung. Mit einem erneuten Auftreten des Morbus Basedow muss jedoch ein Leben lang gerechnet werden.
Die Krankheit ist im deutschsprachigen Raum nach dem Merseburger Amtsarzt Carl Adolph von Basedow benannt, der sie 1840 erstmals detailliert beschrieb. Im angelsächsischen Sprachraum ist die Krankheit als «Grave's Disease» bekannt - nach dem irischen Arzt Robert James Graves, dessen Beschreibung erst 1835 nach seinem Ableben veröffentlicht wurde.