Hyperkinetische Störungen sind Beeinträchtigungen, die auf übermässiger Bewegung beruhen. Gekennzeichnet sind sie durch erhebliche motorische Unruhe, starke Impulsivität und deutliche Aufmerksamkeitsschwäche. Die Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADS) betont die fehlende Konzentration und Daueraufmerksamkeit. Dies kann mit Hyperaktivität gepaart sein, muss es aber nicht.
Es gibt eine Reihe von Begriffen für ein ähnliches Störungsbild.
Besonders häufig verwandt werden:
- Hyperkinetisches Syndrom (HKS): "Hyper" kommt aus dem Griechischen und steht für "über, über...hinaus, übermässig". "Kinetisch" ist ebenfalls griechischen Ursprungs und bedeutet "auf Bewegung beruhend". "Hyperkinetisch" heisst also "auf übermässiger Bewegung beruhend". Mit "Syndrom" (syndrome = Zusammenlauf) bezeichnet man das Zusammentreffen einzelner uncharakteristischer Symptome zu einem kennzeichnenden Krankheitsbild.
- Hyperaktivität: "Hyperaktiv" bedeutet entsprechend, dass jemand "übermässig tätig", übermässig aktiv ist. Vielen Eltern und Lehrern fällt zunächst auf, dass das Kind nicht zur Ruhe kommt, immer in Bewegung ist, unentwegt zappelt und nicht sitzen bleiben kann.
- ADD (attention-deficit-disorder oder ADS): Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom. Diese Bezeichnung wurde aus dem Amerikanischen übernommen. Der lateinische Ursprung (deficit = es fehlt) deutet auf den erheblichen Mangel an Konzentration und Daueraufmerksamkeit. Motorische Hyperaktivität beziehungsweise Unruhe plus beeinträchtigte Impulskontrolle können hinzukommen, müssen aber nicht.
- ADHD (attention-deficit/hyperactivity disorder): Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. So werden Störungen bezeichnet, bei denen ein erheblicher Mangel an Aufmerksamkeit mit Hyperaktivität verbunden ist, das heisst eine "Aufmerksamkeitsdefizitstörung mit Hyperaktivität".
- MCD: Früher sprach man oft von einer minimalen cerebralen Dysfunktion, das heisst von einer geringfügigen Hirnfunktionsstörung.
- POS: So wird das "psycho-organische Syndrom" abgekürzt. Diese nur in der Schweiz übliche Bezeichnung verweist auf psychologische und organische Hintergründe der Störung.
"Hyperkinetische Störungen" oder "Aufmerksamkeitsdefizitstörungen"?
In Deutschland beginnt sich der Begriff "Aufmerksamkeitsdefizitstörungen mit und ohne Hyperaktivität" durchzusetzen. Gebräuchlich sind aber nach wie vor die Bezeichnungen "hyperkinetisches Syndrom" (HKS) oder "hyperkinetische Störung". Den Hintergrund bilden zwei unterschiedliche Diagnoseschemata.
- Eine "hyperkinetische Störung" erfordert nach dem Diagnoseschema ICD-10 (International Classification of Diseases) der Weltgesundheitsorganisation klinische Auffälligkeiten in den Kernbereichen: Hyperaktivität, Impulsivität, Aufmerksamkeitsstörung.
Allerdings besteht Uneinigkeit in Fachkreisen, ob es in allen drei Bereichen Beeinträchtigungen geben muss. So orientieren sich viele Fachärzte am zweiten Diagnoseschema, dem DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) der American Psychiatric Association, in welchem Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstörungen in drei Subtypen untergliedert werden:
- Beim Mischtyp zeigen sich klinisch relevante Symptome in allen drei Bereichen: Es besteht eine Aufmerksamkeitsstörung gekoppelt mit Hyperaktivität und Impulsivität.
- Vorwiegend unaufmerksamer Typ: Vorherrschend ist die Aufmerksamkeitsstörung, aber es besteht keine klinisch relevante Impulsivität und Hyperaktivität.
- Vorwiegend impulsiver und hyperaktiver Typ: Vorherrschend sind Impulsivität und Hyperaktivität, aber es besteht keine klinisch relevante Aufmerksamkeitsstörung.
Aufmerksamkeitsstörungen bis ins Erwachsenenalter
Die unterschiedlichen Begriffe zeigen, dass es einen Wandel im Verständnis des Störungsbildes gegeben hat und dass dieser Prozess noch nicht abgeschlossen ist. Es wird um Definitionen für ein Störungsbild gerungen, das aus einer Reihe unspezifischer Symptome besteht und schwer zu fassen ist.
In jüngster Zeit verwenden Fachleute auch die Bezeichnung "Aufmerksamkeits- und Aktivitätsstörung", was vielleicht am deutlichsten die Probleme der meisten betroffenen Kinder zum Ausdruck bringt.
Die Aufmerksamkeitsstörungen werden zunehmend in den Mittelpunkt der Betrachtung gestellt.
Zwei Aspekte sind dafür hauptsächlich verantwortlich:
- In den letzten Jahren ist deutlich geworden, dass die Hyperaktivität zwar oft mit dem Ende der Kindheit verschwindet (früher dachte man, das Problem "wächst sich aus"), dass aber die Aufmerksamkeitsschwierigkeiten in vielen Fällen bleiben und nicht nur Kindern, sondern auch Jugendlichen und Erwachsenen dauerhaft das Leben schwer machen können. Zunehmend werden die hyperkinetischen Störungen bei (jungen) Erwachsenen erforscht.
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Lange Zeit sind die Lernschwierigkeiten von Kindern unbeachtet geblieben, die nicht durch Hyperaktivität auffallen, aber erhebliche Aufmerksamkeitsprobleme haben. Oft sind es intelligente Mädchen, die aber einen sehr verträumten, eher apathischen Eindruck machen. Ihnen gelingt es dank ihrer normalen bis erhöhten Intelligenz manchmal lange Zeit zu verdecken, dass sie erhebliche Konzentrationsschwierigkeiten mit allen Folgeproblemen haben.