12. Dezember 2009
12. Dezember 2009
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Zuschauerfragen zu den Themen dieser Sendung
Inge, 66: Die Zeit heilt Wunden? Mein Trauma: nach einem Treppensturz mit Schädelbasisbruch vor bald 3 Jahren gehe ich immer noch nicht gerne Treppen. Kann das bis ans Lebensende dauern?
med. pract. Bernd Frank, Oberarzt Stationäre Traumatherapie, Privatklinik Clienia Littenheid: Ich empfehle Ihnen, sich von einem Spezialisten, also von einem Psychotraumatologen abklären zu lassen. Dass Sie nicht gerne Treppen steigen, gehört zum traumakompensatorischen Schema, d. h. Sie vermeiden die Treppen, damit es nicht mehr passiert. Damit das nicht bis an Ihr Lebensende dauert, empfehle ich Ihnen, etwas zu unternehmen. Sie können sich auch gerne in unserer Klinik (Tel. 071 929 60 60) bei mir abklären lassen. Ich wünsche Ihnen gute Genesung.
Simone, 34: Nach psychiatrischer Empfehlung bräuchte ich dringend eine stationäre Traumatherapie. Ich habe schon mehrere Anläufe genommen, nach Littenheid zu kommen, aber der Kanton Zürich hat dies abgelehnt. Wie kann ich das trotzdem schaffen, wenn ich selber fast keine Lebenskraft mehr habe und mir auch die Unterstützung versagt bleibt?
Bernd Frank: Leider werden die Kostengutsprachen zum grössten Teil immer noch aus dem Kanton Zürich abgelehnt. Eine Möglichkeit ist, die eigenen Schriften in den Vertragskanton Thurgau zu verlegen. Eine weitere Möglichkeit wäre, immer wieder neu zu versuchen, eine Kostengutsprache zu erlangen. Wir sind selber sehr unglücklich über diese Tatsache, können aber leider gegen die bestehenden Gesetze nicht viel ausrichten. Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Erfolg bei der Beantragung der Kostengutsprache.
Hans.J., 68: Traumatherapie, warum geht man denn derart kompliziert vor? Warum arbeitet man nicht mit Hypnose? Auch Hypnose-Therapie dauert nicht nur eine Stunde. Aber immerhin kommt man doch mit einer Rückführung recht schnell an solche Probleme und kann diese mit viel Erfahrung auch beheben. Ich frage immer wieder: An was liegt es, dass man diese uralte Methode nie richtig weiterentwickelt hat? Ist es ganz einfach zu wenig lukrativ? Oder liegt es gar daran, dass man ohne Pharmaka zum Ziel kommt? Ich habe da unglaubliche, 25-jährige Selbsterfahrung!
Bernd Frank: Die Hypnotherapie in trauma-adaptierter Variante wird von uns sehr oft angewendet. Leider war in der Sendung zu wenig Zeit, explizit darauf einzugehen. Aber herzlichen Dank für Ihren wertvollen Hinweis.
Silvia, 42: Was raten Sie mir? Ich bin praktisch schon mein ganzes Leben lang krank. In der Jugend hatte ich Suizidgedanken. Im Elternhaus erlitt ich kein direktes Trauma, höchstens in der Schulzeit. Seitdem ist es mit den Gefühlen schwierig, d. h. ich spüre praktisch nichts. Ich bin immer depressiv. Seit 11 Jahren sind chronische Schmerzen dazugekommen. Vom Psychiatrischen her habe ich die Diagnosen schwere Persönlichkeitsstörungen, Zwänge und Depressionen. Es ist sehr schwierig, so zu leben. Ich war bei einem Psychiater, der auf Trauma spezialisiert ist und habe erst zum Schluss gemerkt, dass es mich betreffen würde. Er wollte immer stabilisieren und dann anfangen zu arbeiten. Es ging mir nie besser und er wollte mich nicht mehr weiter behandeln. Jetzt bin ich im Ambulatorium. Medikamente hatte ich früher Deroxat und jetzt Remeron. Ich wohne ganz in der Nähe von Littenheid, aber im Kanton St. Gallen. Ginge das von der Krankenkasse her trotzdem für eine stationäre Behandlung?
Bernd Frank: Ich rate Ihnen, sich zunächst von einem Spezialarzt für Psychotraumatologie abklären zu lassen. Gerne können Sie das auch in unserer Klinik bei mir machen. Das ambulante Vorgespräch wird von der Krankenkasse ohne weiteres übernommen. Sollte eine stationäre Traumatherapie angezeigt sein, müssten Sie "Allgemein ganze Schweiz" versichert sein, wenn nicht, müssten wir beim Kantonsarzt in St. Gallen ein Kostengutsprachegesuch stellen. Aber gerne können Sie sich zunächst ambulant bei uns beraten lassen. Ich wünsche Ihnen frohe Festtage, eine schöne Weihnachstzeit und gute Genesung.
Andrea, 37: Bei mir wurde eine Borderline-Störung diagnostiziert. Ich war vor 6 bzw. 4 Jahren zweimal in der Klinik Littenheid. Eine Traumatherapie, wie es heute in der Sendung gezeigt wurde, gab es damals noch nicht. Gibt es so etwas auch ambulant? Könnten Sie mir eine Adresse von einem Psychotherapeuten in meiner Umgebung angeben, der so etwas durchführt?
Bernd Frank: Um Ihnen Therapeuten aus Ihrer Umgebung zu nennen, müsste ich wissen, wo Sie wohnen. Sie können uns gerne anrufen unter Tel. 071 929 60 60. Eine ambulante Traumatherapie ist grundsätzlich möglich, müsste aber einerseits vor Ort abgeklärt werden und andererseits müsste bei einer der Traumatherapeutinnen ein Therapieplatz frei sein. Alles Gute für Sie.
Gabriela, 45: Ich würde mich für eine Traumatherapie interessieren. Gibt es noch andere, nicht stationäre Therapie-Möglichkeiten. Wenn ja, welche und wo? Aufgrund einer Vergewaltigung mit 15 Jahren leide ich unter Panikattacken, Unsicherheit, Angst etc. Diverse Psychotherapien haben ausser einer Tablettensucht gar nichts gebracht. Die bin ich zum Glück erfolgreich wieder los geworden. Es müsste wirklich etwas Ganzheitliches, auf Trauma Spezialisiertes sein.
Bernd Frank: Ich empfehle Ihnen zunächst eine ambulante Abklärung und Beratung, was Sie gerne bei uns in der Klinik machen können. Eine ambulante Therapie ist grundsätzlich möglich, wobei allerdings der Integrationsprozess länger dauert als bei einer stationären Therapie. Ihren Schilderungen gemäss sollten Sie auf jeden Fall eine Traumatherapeutin oder einen Traumatherapeuten aufsuchen, weil die sexuelle Gewalterfahrung noch nicht integriert ist. Also wie gesagt, Sie können sich gerne bei uns beraten lassen. Eine schöne Weihnachtszeit und alles Gute für Sie.
 
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