10/2009
Übersicht

EDITORIAL: Was heisst unbezahlbar?
Gesund bleiben wird immer teurer. Insgesamt werden die Gesundheitskosten dieses Jahr voraussichtlich wieder um 5 Prozent steigen, bei den Krankenkassenprämien müssen wir mit einer Erhöhung von bis zu 10 Prozent rechnen. Bei Politikern, Konsumentenschützern, Ärzten, Kassenvertretern und nicht zuletzt Patienten greift Panik um sich: Können wir uns morgen die Medizin, die uns Ärzte, Apotheker und Spitäler in Spitzenqualität anbieten, noch leisten? Bundesrat Pascal Couchepin zieht die Notbremse: Mit einer Eintrittsgebühr von 30 Franken will er den Arztbesuch erschweren. Und ein Telefondoktor soll die Kosten dank Ferndiagnose senken.

Gesundheit ist unbezahlbar. Ja, was nun? Ist sie tatsächlich das höchste Gut? Wer von uns ist freiwillig bereit, im Krankheitsfall nur die zweit- oder drittbeste Behandlung zu akzeptieren, weil die Mittel beschränkt sind? Das funktioniert zwangsweise bei Transplantationen: Wo Spenderorgane fehlen, müssen klare Kriterien bestimmen, wer überleben darf. Machen wir uns doch nichts vor: Wir werden immer älter, brauchen immer länger Pflege, erleben plötzlich Krankheiten, die bei kürzeren Lebenserwartungen gar nicht erst ausbrechen konnten. Und Wissenschaft und Forschung entwickeln dazu glücklicherweise immer wirkungsvollere Behandlungsmethoden. Machen wir uns doch wirklich nichts vor: Länger zu leben und dann auch möglichst spät gesund zu sterben, kostet uns morgen mehr als heute. Uns mit Beschränkungen vom Hausarzt fernzuhalten, ist Sparen am falschen Ort. Denn der persönliche Kontakt zwischen Patient und Arzt ist die beste Früherkennung. Wer will sich jetzt anmassen, Kriterien zu bestimmen, die bestimmte Patienten von bestimmten Behandlungen ausschliessen?

Den Vogel abgeschossen hat in der Fernseh-«Arena» letzte Woche die freisinnige Politikerin und Couchepin- Parteigängerin Doris Fiala. Alte und unzurechnungsfähige Menschen würden in den letzten Monaten ihres Lebens die allerhöchsten Gesundheitskosten verursachen, monierte sie. Es sollte endlich diskutiert werden, wie man das verhindern könne. Nach dem Motto: Stirb schneller, Genosse – das hilft sparen.

Gesundheit bleibt unbezahlbar. Wir sollten versuchen, uns das zu leisten.

Herzlich, Ihr Fibo Deutsch
 
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