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EDITORIAL: Verlieren Sie den Humor nicht
Wenn Sie gesund bleiben wollen, sollten Sie sich – noch vor allen Vorsorgebemühungen – eines zu Herzen nehmen: Verlieren Sie den Humor nicht! Der Rat kommt aus berufenem Mund: Eckart von Hirschhausen ist praktizierender Arzt und einer der gefragtesten Kabarettisten der Gegenwart. Er kämpft dafür, dass Humor in Spital und Psychotherapie als heilende Kraft ernst genommen und gefördert wird. Und, kein Witz, er arbeitet darauf hin, dass die Krankenkassen seine Auftritte bezahlen.
Die Kirchen sind leer. Dafür boomt der Glaube an Heilmethoden, deren Wirksamkeit niemand wissenschaftlich nachweisen kann. Wissenschaftlich hieb- und stichfest ist dagegen: Menschen in Religionsgemeinschaften haben eine grössere Chance, gesund alt zu werden. Tatsächlich bieten Religionen im darwinistischen Sinn einen Überlebensvorteil.
Natürlich: Auch die Zuwendung von Therapeutinnen und Therapeuten der Komplementärmedizin tut gut und hat Heilkraft. Jedenfalls für die einen. Für andere nicht. Weil sich der Erfolg nicht zuverlässig wiederholen lässt, möchte ich lieber nicht, dass die Krankenkassen solche Methoden von meinem Geld bezahlen. Geld, das ich als Prämie regelmässig beisteure. Nicht etwa weil ich krank wäre, sondern aus Solidarität mit den Kranken.
Dafür rede ich einem Impfobligatorium das Wort. Denn, um ein Beispiel zu machen, die Masernimpfung wirkt sicher und zuverlässig und rettet Leben. Auch wenn der Arzt die Kinder mit der Nadel sticht und ihre Seele nicht mit Worten streichelt. Ein anderes, noch eindrücklicheres Beispiel: 1975, zwölf Jahre nach dem Beginn der Impfkampagne, waren die Pocken ausgerottet. Vorher starben jedes Jahr zwei Millionen Menschen an der Infektionskrankheit. Verlieren Sie jetzt aber nicht den Humor! Und den Glauben auch nicht!
Herzlich, Ihr Beat Leuenberger