01/2008
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EDITORIAL: Wir haben es in der Hand
Gewiss, der Vorschlag ist krass. Im buchstäblichen Sinn ein Handstreich. Er würde – ratzfatz – ein in der ganzen westlichen Welt verbreitetes, jahrhundertealtes Ritual auf einen Schlag abschaffen. Nämlich: Hören wir auf, uns beim Begrüssen und Verabschieden die Hände zu schütteln!

Es ist nicht nur ein in einer Champagnerlaune geborener Neujahrsvorsatz – die Idee ist durchaus bedenkenswert und ernsthaft. Was sich wie eine Flause anhört, hat einen gesundheitlichen Hintergrund. Sich die Hand geben, ist ein höchst unhygienischer Vorgang, ein tieferer Nutzen steckt nicht dahinter – realistisch besehen eine unnötige Handlung. Mit dem Händeschütteln werden deutlich mehr Krankheitskeime übertragen als etwa mit einem Küsschen auf die Wange beim Begrüssen. Britische Forscher haben eine entsprechende Studie im «American Journal of Infection Control » veröffentlicht. Bakterien und Viren, von Hand zu Hand weitergegeben, gelangen durch Berührung von Mund, Nase oder Augen weiter in den Organismus.

Man staune: Für die «verrückte» Idee gibt es Unterstützung von berufener Stelle. Dr. Daniel Koch, Mediziner und stellv. Leiter der Abteilung für übertragbare Krankheiten beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) in Bern, sagt: «Händeschütteln überträgt unnötigerweise eine Menge von Keimen. Man sollte es lassen, gerade jetzt, in der Grippezeit.» Damit es klar ist: Die Grippesaison dauert noch bis April. Jedes Jahr sterben 400 bis 1000 Personen in der Schweiz an den Folgen der Grippe. Gemäss Daniel Koch ist das Risiko einer Grippepandemie nach wie vor hoch. Pandemie: Eine Häufung von Erkrankungen bis zu einem Viertel der Bevölkerung. Der Verzicht auf Handkontakt wäre eine der besten und billigsten Präventionsmassnahmen!

Und Hand aufs Herz: Hygiene? Es gibt mehr Menschen, als diese selber glauben, die in der Nase popeln, sich die Hände nicht waschen nach dem WC-Besuch, sich Türklinken voller Keime in die Hand geben, Hund und Katz streicheln, in die Hand niesen, mit den Fingern Sandwichresten am Mittag aus dem Mundwinkel streichen – und uns dann fröhlich die Hand entgegenstrecken: Grüezi! – Warum machen wir es nicht den Japanern nach: sich tief in die Augen sehen und eine Verbeugung andeuten. Reicht doch!

Geben wir uns einen Ruck – und nicht mehr die Hand. Wir könnten Gesellschafts- Geschichte schreiben. Und unsere Kindeskinder würden noch davon reden..

Herzlich, Ihr Fibo Deutsch
 
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