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EDITORIAL: Fortschritt! Fortschritt?
Das Bild sagte alles: Beatrice Tschanz, die bekannte Kommunikationschefin der damaligen SAir-Group, trug einen Halskragen. Das bedeutete, dass sie ein Schleudertrauma erlitten hatte. Das Ereignis liegt neun Jahre zurück. Am 20. Februar 2000 schrammte auf der Autobahn ein zwei Tonnen schwerer Cadillac von hinten in ihren Mercedes. Wie ein Peitschenschlag knallte ihr Kopf auf die Kopfstütze. Mit den typischen Folgen: Nacken- und Kopfschmerzen, Schwindel und Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis. «Als ich merkte, dass ich meine eigene Telefonnummer nicht mehr wusste, therapierte ich mich mit dem Auswendiglernen von Gedichten», erinnert sich Tschanz. Der Arzt verschrieb ihr den bekannten Halskragen und Ruhe. Das war, wie gesagt, vor neun Jahren. Heute haben die Schleudertrauma-Experten neue Erkenntnisse gewonnen, die genau das Gegenteil bedeuten: Statt Ruhe verordnen sie Bewegung (ab Seite 8).
So ist das in der Medizin: Die Wissenschaft bleibt nicht stehen. Was gestern gut war, kann heute überholt sein. Viele Therapien werden oft vorschnell als Wunderwaffe gepriesen. Hoffnung ist stärker als Skepsis, wenn es um die Gesundheit geht. So war das beispielsweise bei neuen Mitteln zum Abnehmen, so ist das jetzt auch gerade wieder bei Gefässstützen, so genannten Stents, bei der Behandlung von verstopften Herzkranzgefässen. Kardiologen streiten sich heute, ob die neue Methode tatsächlich hält, was gestern enthusiastisch versprochen wurde. Mehr über diese Stents lesen Sie in unseren News auf Seite 7.
Auch in der Titelgeschichte über das Schleudertrauma stellen wir Ihnen neue Erkenntnisse und eine neue Behandlungsmethode vor. Bei den Verletzungen im Bereich der Halswirbelsäule gibt es eine wichtige psychotraumatische Komponente, das heisst, Verletzungen der Seele, die auch mit den besten radiologischen Apparaturen der Medizintechnik nicht festgehalten werden können. Mit der «Neuroimagination» wird nun versucht, die belastenden Erinnerungen an den Unfall, der das Schleudertrauma verursachte, durch positive Bilder im Gehirn zu ersetzen. Man kann davon halten, was man will: Erfolgsmeldungen bei vielen Patienten lassen sich nicht wegdiskutieren.
Neue Hoffnungen gibt es auch bei der Behandlung des lästigen Heuschnupfens (Seite 18). Am Universitätsspital Zürich ist eine beschleunigte Immuntherapie entwickelt worden. Wie wirkungsvoll sie ist, werden die Allergiker frühestens in drei Jahren erfahren. So lange dauert es, bis alle Zulassungshürden überwunden sind.
Herzlich, Ihr Fibo Deutsch