09/2009
Übersicht

EDITORIAL: Treten Sie einem Verein bei!
Am 17. Mai ist es also so weit: Wir stimmen darüber ab, ob Hahnenwasser und Zuckerkügeli als Heilmittel in der Schweizer Verfassung verankert werden oder nicht. «Verdünnt» der Homöopath ein Präparat genügend stark, findet sich darin kein einziges Teilchen der Ausgangssubstanz mehr. Seis drum! Die Abstimmungsvorlage «Zukunft mit Komplementärmedizin» hat durchaus auch vernünftige Kernforderungen. Etwa die: Schul- und Komplementärmedizin sollen zusammenarbeiten, um die besten Behandlungserfolge für Patientinnen und Patienten zu erreichen. Wer wollte das nicht! Damit rennen die Initianten allerdings an einem Ort in der Schweiz bereits offene Türen ein. Das Gesundheitszentrum Unterengadin, hinter den sieben Bergen in Schuls (Scuol) gelegen, ist ein Regionalspital, das genau dieser Forderung nachlebt, wie der Beitrag meiner Kollegin Angela Fässler ab Seite 24 zeigt.

Ich finde, die Komplementärmedizin hat einen berechtigten Platz in der Versorgung der Menschen mit Gesundheit. Schliesslich nehmen 70 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer das eine oder andere Angebot ab und zu gerne in Anspruch. Als Zusatz. So soll es bleiben. Auch die Patienten in Schuls bezahlen die komplementärmedizinischen Massnahmen via Zusatzversicherung.

Ein wenig im Kontrast zur grossen Liebe für die sanfte Komplementärmedizin steht allerdings die Antwort auf die Frage: «Was sollte unbedingt erfunden werden?» Gestellt hat sie die Spielshow «5GEGEN5» des Schweizer Fernsehens letzte Woche. Weder Haarwuchsmittel noch Abnehm- oder Rauchstopppille kam den meisten der hundert befragten Schweizerinnen und Schweizer in den Sinn, sondern Medikamente gegen unheilbare Krankheiten – eine knallharte Erwartung an die Schulmedizin und die Pharmaindustrie.

Und hier noch ein Vorschlag, der gar nichts kostet: Mediziner und Hirnforscher finden immer neue Belege dafür, dass Menschen vom Zusammenleben mit anderen profitieren. Bei Menschen in glücklichen Gemeinschaften heilen Wunden schneller, sie werden seltener krank, sind weniger anfällig für Depressionen und Ängste – und sie leben länger. Treten Sie also schleunigst einem Verein bei!

Herzlich, Ihr Beat Leuenberger
 
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