Rückenschmerzen
Rückenschmerzen
Ihre Hände sind ihr wichtigstes Werkzeug. Dr. Ulrich Böhni betreibt Manuelle Medizin, Dr. Gian Jörger ist Chiropraktor. Beide erklären, wie sie bei akuten und chronischen Rückenschmerzen Hand anlegen. Und damit wirksam helfen können.


VON TANJA WITT

Was ist Manuelle Medizin? Das Behandlungskonzept besteht aus drei Schritten: Zuerst ertastet der Arzt Muskeln, Sehnen und Gelenke. Er spürt Verspannungen, Blockaden und andere Funktionsstörungen an Wirbelsäule oder Gelenken und beurteilt, ob sich die Manuelle Medizin für den konkreten Fall eignet. Dann folgt die aktive, manual-medizinische Behandlung und als dritter, unverzichtbarer Schritt die Erarbeitung spezieller Übungsprogramme.

Wie verläuft eine Behandlung? Nach einer eingehenden Untersuchung folgt die Behandlung mit verschiedenen Mobilisationstechniken (Handgriffen und Bewegungen), die muskuläre Verspannungen, Wirbelblockaden und anderes gezielt lösen. Das können Muskel- und Weichteiltechniken oder Impulsbehandlungen sein. Manipulieren heisst dabei, das gestörte Gelenk exakt in eine schmerzfreie Stellung zu bringen und durch einen kurzen, energiearmen Impuls zu «deblockieren».

Welche Beschwerden behandelt der Manualmediziner? Akute und chronische Beschwerden des Rücken, aber auch des gesamten Bewegungsapparates.

Wie wirksam ist die Manuelle Medizin bei Rückenschmerzen? Wissenschaftliche Studien belegen besonders den Nutzen manipulativer Behandlungen bei akuten Rücken- oder Nackenschmerzen. Bei chronischen Schmerzen steht die Linderung der Schmerzen im Vordergrund, etwa durch das Lösen von muskulären Verspannungen. Die Manuelle Therapie ist ein wichtiger Teil eines multimodalen Behandlungskonzeptes.

Wie viele Behandlungen braucht es bei akuten Rückenschmerzen? Sofern es sich um eine reine Funktionsstörung im Sinne der akuten Verspannung handelt, genügen oft zwei bis drei Behandlungen. Ansonsten muss eine tiefer liegende Ursache gesucht werden.

Können Nebenwirkungen auftreten? Lagerung oder Handgriffe können im Moment oder einige Zeit später Schmerzen auslösen oder zuvor bestehende Beschwerden verstärken. Dies ist aber ein vorübergehendes Phänomen.

Wie wird man Manualmediziner? Das Diplom erhält nur, wer eine Schweizerische Facharztausbildung (FMH-Titel) abgeschlossen und die gesamte berufsbegleitende Weiterbildung der SAMM im Bereich der Manuellen Medizin erfolgreich absolviert hat. Alle fünf Jahre muss jeder Manualmediziner eine weitere Rezertifizierung durchlaufen, die auf qualifizierten Fortbildungen basiert.

Wie viele Praktizierende gibt es in der Schweiz? Die Schweizerische Ärztegesellschaft für Manuelle Medizin zählt über 1200 Mitglieder.

Werden die Therapien von den Krankenkassen bezahlt? Ja.


  
Was ist Chiropraktik? Eine eigenständige Disziplin der wissenschaftlichen Heilkunde zur Diagnose und Behandlung von Beschwerden im gesamten Bewegungsapparat und der biomechanischen und neurophysiologischen Folgen – ohne Einsatz von Chirurgie und Medikamenten.

Wie verläuft eine Behandlung? Auf die Untersuchung mit Haltungs- und Ganganalysen, orthopädischen und neurologischen Tests folgt die Behandlung der Gelenke und Wirbelsäulensegmente, die Beschwerden verursachen. Mit chiropraktischen Techniken und minimalem Krafteinsatz werden die Gelenke gezielt bewegt und wird das entsprechende Segment des Nervensystems positiv beeinflusst: Die Beweglichkeit des Gelenkes wird erhöht, der Schmerz vermindert.

Welche Beschwerden behandelt der Chiropraktor? Störungen des Bewegungsapparates, besonders der Wirbelsäule durch Fehlbelastungen der Muskeln, Sehnen und Gelenke nach Unfällen und Krankheiten: Rückenbeschwerden und Störungen, die von der Wirbelsäule ausgehen wie Ausstrahlungsschmerzen, Beeinträchtigungen der Beweglichkeit, Nerven- und Muskelfunktion, gewisse Arten von Diskushernien, Schwindel und Kopfschmerzen, Folgen von Schleudertraumata.

Wie wirksam ist die Chiropraktik bei akuten und bei chronischen Rückenschmerzen? Langzeitstudien zeigen, dass die Chiropraktik sicher, wirksam und kostengünstig ist. Sie hilft Operationen vermeiden und stellt die körperliche Einsatzbereitschaft rascher wieder her.

Wie viele Behandlungen braucht es bei akuten Rückenschmerzen? Eine bis sechs.

Können Nebenwirkungen bei der Behandlung auftreten? Alle Behandlungen und Medikamente können Nebenwirkungen haben. In seltenen Fällen kann es nach der Behandlung harmlose, kurzzeitige Muskelverspannungen geben.

Wie wird man Chiropraktor? Die Ausbildung mit Staatsexamen dauert acht bis neun Jahre und beinhaltet ein abgeschlossenes medizinisches Vorstudium in der Schweiz sowie ein zehn- bis zwölfsemestriges Studium an einer eidgenössisch anerkannten chiropraktischen Hochschule in den USA oder in Kanada. Dazu kommen eine zweijährige klinische Assistenzzeit in der Schweiz mit begleitenden Studien am Schweizerischen Chiropraktik-Institut SCI und ein Spitalpraktikum. Ab 2008 kann man an der medizinischen Fakultät der Universität Zürich am neuen Lehrstuhl für Chiropraktik studieren.

Wie viele Praktizierende gibt es in der Schweiz? 270.

Werden die Therapien von den Krankenkassen bezahlt? Ja, ohne Überweisung anderer Medizinalpersonen.
 
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