Rückenschmerzen
Rückenschmerzen
Die Suva leistet viel dafür, dass Sie bei der Arbeit gesund bleiben. Und erst noch leistungsfähiger werden!


VON CARL J. WIGET

Die Personalleitung einer Fabrik wunderte sich, warum in der Kunststoffspritzerei viele Mitarbeiter krank wurden. Sie litten unter Rücken- und Nackenschmerzen. Ein Fall für Dieter Schmitter. Dem Ergonomie-Experten der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) fiel auf, dass die Angestellten alle auf gleich hohen Podesten vor den Spritzwerkzeugen der Maschinen standen. Um die Metallteile hineinzulegen, zu spritzen und wieder herauszunehmen, mussten viele ständig die Schultern anheben. Suva-Mann Schmitter fand heraus, dass die Arbeitshöhe nur für gross gewachsene Angestellte über 180 cm zumutbar war. «Für solche Arbeiten sollte der Ellbogen fünf bis zehn Zentimeter über der Arbeits- oder Greifhöhe sein.»


Ergonomie ist nicht nur ein Modewort

Experte Schmitter empfahl, die Maschinen mit elektrisch höhenverstellbaren Podesten auszurüsten. Nach einem Versuchsbetrieb setzte die Firma seinen Vorschlag um. Beim Schichtwechsel lassen sich die Podeste heute rasch und einfach an die Körpergrösse der Werktätigen anpassen. Nun klagen die Mitarbeiter auch nicht mehr über Rückenprobleme und die Produktivität ist um zehn Prozent gestiegen.

Ergonomie halten manche Firmenchefs für ein blosses Modewort. Im Arbeitsgesetz steht es anders: Gesunde und menschengerechte Arbeitsplätze sind Pflicht. Firmen müssen ihren Mitarbeitern die richtigen Hilfsmittel zur Verfügung stellen. Und Information tut Not. So mancher Angestellte hebt eine schwere Schachtel mit gekrümmtem Rücken oder macht beim Tragen ein Hohlkreuz. Besonders gefährlich ist die seitliche Drehung beim Heben. «80 bis 90 Prozent der Arbeitgeber wissen nicht, dass sie ihre Mitarbeiter über richtiges Heben und Tragen informieren müssen», schätzt Dieter Schmitter.

Wer zum Beispiel an einer Maschine ständig zwei Kilo schwere Metallstücke heben muss, kennt oft die Risiken für die Wirbelsäule nicht: Bei gekrümmter Haltung werden die Bandscheiben zwischen den Wirbeln keilförmig zusammengedrückt, vorne viel stärker als hinten. Je weiter man sich nach vorne beugt und je schwerer die Last ist, desto stärker drückt das Gewicht auf die Bandscheiben – was zu Rückenleiden führen kann.


Steter Wechsel tut dem Rücken gut

«Geübte Umzugsarbeiter sind für mich Vorbild», lobt Schmitter. Sie tragen die schweren Gegenstände nah am Körper, gehen beim Heben mit einem oder beiden Beinen in die Knie und halten dabei den Rücken gerade. Ihre Bandscheiben tragen das Gewicht gleichmässig verteilt.
Für Werkstatt oder Büro kennt Schmitter eine pfiffige Regel: «Die beste Haltung ist immer die nächste, die man einnimmt» – gesund bleibt also, wer sich in Bewegung bringt. Mit etwas Fantasie ist vieles möglich: Stehkonferenzen mit Kollegen, den Drucker zwanzig Schritte entfernt platzieren und am Pult für entspannte Arm- und Beinfreiheit sorgen. Auch kritische Fragen sollten erlaubt sein: Passt der Stuhl? Schaue ich geradeaus und mit leicht geneigter Kopfhaltung auf den Bildschirm – oder seitlich verdreht und mit verspanntem Nacken?

Eine Losung der modernen Ergonomie lautet: Dem sanften Sitzzwang des Computers entgegenwirken. Die ideale Mischung lässt sich genau beziffern: 60 Prozent Sitzen, 30 Prozent Arbeiten im Stehen und 10 Prozent gezieltes Umhergehen.


So vermeiden Sie Fehlhaltungen am Arbeitsplatz
Wie ist Ihre Kopfhaltung?
  • Nach hinten gebeugt, mit Blick leicht nach oben (über die Horizontallinie)?
  • Seitlich geneigt?
  • Mehr als 20 Grad nach vorne gebeugt?
  • Nach vorne gestreckt?
  • Mehr als 20 Grad zur Seite gedreht?
Dies sind alles überfordernde Haltungen. Z.B. wegen falsch platzierten PC-Monitoren. Oft steht auch der TV im Wohnzimmer zu hoch. Die beste Kopfhaltung: Blick nach vorne gerichtet, Kopf leicht nach unten gebeugt.


Wie entspannt sind Ihre Schultern?
  • Eine oder beide hochgezogen?
  • Eine oder beide vorgestreckt?

Sie sollten Ihre Schultern nicht hochziehen (müssen). Dies passiert oft, wenn die Arbeitsfläche zu hoch ist. Vorgestreckte Schultern sind ein Grund für Verspannungen - sie entstehen bei fehlender Beinfreiheit unter der Arbeitsfläche und weit entferntem Sitzen von der Arbeitsfläche. Die beste Schulterhaltung ist zwanglos und entspannt. Fahrzeuglenker müssen mit beiden Händen das Lenkrad aussen halten können. Dabei sind die Arme leicht angewinkelt.

Wie neigt sich Ihr Oberkörper?
  • Mehr als 20 Grad nach hinten gelehnt?
  • Mehr als 20 Grad nach vorne gebeugt?
  • Zur Seite geneigt?
  • Mehr als 20 Grad zur Seite geneigt?
Sie sollten nur kurz in diesen Haltungen verharren. Die beste Oberkörperhaltung ist gerade und aufrecht, beim Entspannen zwischendurch kann sie leicht nach hinten geneigt und abgestützt sein.


Sind die Arme über Ellbogenhöhe?
  • Ist ein Handgelenk über Ellbogenhöhe oder sind es beide?
  • Ist ein Oberarm oder beide mehr als 20 Grad vom Oberkörper abgewinkelt?
  • Werden bei feinmotorischer Arbeit Arme, Ellbogen oder Hände an scharfen Kanten oder kalten Flächen aufgestützt?

Diese Haltungen sind auf längere Sicht zu anstrengend und schädlich. Die beste Armhaltung: Die Oberarme hängen locker herab und bilden mit den Unterarmen mindestens einen rechten Winkel. Die Hände sind ca. auf Ellbogenhöhe, beim Montieren kleiner Teile oder Arbeiten mit besonderen Sehanforderungen leicht darüber.


Basis dieser Fragen und Ratschläge bildet «Ergo-Test. Ermitteln der körperlichen Belastungen bei Tätigkeiten im Sitzen» von Dieter Schmitter, Suva Luzern. Weiter stellt die Suva auch eine Checkliste «Lastentransport von Hand» und eine Checkliste «Richtige Körperhaltung bei der Arbeit» zur Verfügung. Beide können Sie im Internet bestellen auf: www.suva.ch/waswo
 
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