Rund vier Millionen Menschen in der Schweiz fehlt der Durchblick. Sie benötigen eine Hilfe – sei es durch eine Brille, Kontaktlinsen oder mittels operativer Methoden. VON THOMAS VOGEL
Im Normalfall passiert Licht, das auf unser Auge fällt, zuerst die Hornhaut. Sie bündelt die Lichtstrahlen so, dass sich auf der Netzhaut ein scharfes Bild ergibt. Dazwischen passieren die Strahlen noch die Linse. Diese ist elastisch und regelt die Feineinstellung der Schärfe.
Wenn Lichtinformationen direkt auf der Netzhaut landen, gibt es weder Schärfeverluste noch sonstige Störungen.
Diesem Normalfall versuchen alleine in der Schweiz über vier Millionen Menschen mittels Sehhilfen möglichst nahe zu kommen. Und sie greifen dafür tief in die Tasche: Um besser zu sehen, geben Schweizerinnen und Schweizer jedes Jahr rund 750 Millionen Franken für Brillen und Kontaktlinsen aus. Zusätzlich investieren sie jährlich geschätzte 75 Millionen Franken in Operationen zur Verbesserung des Durchblicks.
Am weitesten verbreitete Arten der Fehlsichtigkeit - Kurzsichtigkeit (Myopie): Weil der Augapfel zu lang ist, liegt der Brennpunkt der Lichtstrahlen vor der Netzhaut. Kurzsichtige sehen zwar gut in der Nähe, ferne Objekte sind jedoch unscharf. Betroffen sind etwa 35 Prozent aller Europäer. Bei Myopie besteht die Gefahr einer Netzhautablösung. Deshalb sollten Kurzsichtige vorsorglich einmal im Jahr beim Augenarzt den Augenhintergrund untersuchen lassen. Starke Kurzsichtigkeit kann auch zu Makuladegeneration führen, einer Netzhautschädigung im Bereich des gelben Flecks (Macula lutea).
- Übersichtigkeit (Hyperopie): Bei dem umgangssprachlich Weitsichtigkeit genannten Sehfehler ist der Augapfel zu kurz. Die einfallenden Lichstrahlen werden deshalb nicht im Brennpunkt der Netzhaut, sondern dahinter gebündelt. Dadurch erscheinen Gegenstände in der Ferne scharf, in der Nähe unscharf. Sie ist vor allem genetisch bedingt und kann unbehandelt zum Schielen führen.
- Alterssichtigkeit (Presbyopie): Die nachlassende Elastizität der Linse trifft praktisch jeden, egal ob Mann oder Frau. Die Linse kann sich nicht mehr genügend wölben, um Objekte in der Nähe scharf abzubilden (Akkomodation). Bei den meisten Menschen verringert sich die Sehkraft im Nahbereich anfänglich auf etwa plus 0,75 Dioptrien. Alle paar Jahre lässt diese Akkomodations-Leistung um weitere 0,75 Dioptrien nach, bis sie im Alter von 55 bis 60 Jahren ganz verloren ist. Dann ist meist eine Lesebrille mit +2,5 bis +3 Dioptrien nötig. Kurzsichtige bis etwa -3 Dioptrien haben oft den Vorteil, auch im Alter ohne Lesebrille auszukommen. Sie müssen lediglich das Schriftstück in den Bereich des Fernpunktes des Auges halten. Bei einer Fehlsichtigkeit von -3 Dioptrien liegt dieser Punkt rund 33 Zentimeter vom Auge entfernt – also in einer idealen Lesedistanz.
- Stabsichtigkeit (Astigmatismus): Menschen mit einer Stabsichtigkeit – auch als Hornhautverkrümmung bekannt – sehen unscharf und verzerrt. Bei ihnen ist die Hornhaut nicht glatt gerundet, sondern verformt. Dadurch entstehen mehrere Bilder auf verschiedenen Ebenen vor und hinter der Netzhaut, und Punkte werden als Stäbchen wahrgenommen. Rund 40 Prozent der Menschen haben einen leichten Astigmatismus von 0,5 Dioptrien oder weniger. Mit mehr Abweichung macht eine Korrektur Sinn, denn
unbehandelt leiden Stabsichtige häufig unter Kopfschmerzen oder Augenbrennen.
Weitere Informationen zur Therapie mit Brille, Kontaktlinsen, Laser- oder Implantat-Operationen finden Sie im
Originalartikel aus der Gesundheit Sprechstunde.