Das reparierte Auge
Das reparierte Auge
Forscher arbeiten weltweit an vier verschiedenen Systemen, um Blinde mittels Computertechnik sehend zu machen.


Subretinales Implantat/«Sehchip» (1): Ein Chip unter der Netzhaut fängt die Bilder auf, die das Auge einfängt, und übermittelt sie via Sehnerv ans Sehzentrum im Gehirn. | Epiretinales Implantat (2): Eine Kamerabrille fängt Bilder auf, übersetzt sie in für die Netzhaut verständliche Signale und funkt diese an einen Empfänger im Auge. Der leitet sie weiter an den Chip auf der Netzhaut, die damit das Gehirn beliefert. | Nervus-opticus-Implantat (3): Eine Kamera fängt Bilder auf und funkt diese an einen Decoder. Der leitet die Signale direkt an einen Sehnervstimulierer weiter und erzeugt so Seheindrücke. | Kortikales Implantat/«Cyborg-Variante» (4): Eine Kamera übermittelt Bilder via einen Hochleistungs-computer direkt ins Sehzentrum im Gehirn und umgeht das Auge komplett.
VON THOMAS VOGEL

Vor nicht allzu langer Zeit war die Vorstellung von künstlichem Sehen reine Science-Fiction und hatte ihren Platz vor allem in Filmen aus Hollywood. Inzwischen machte jedoch die Computertechnik so rasend Fortschritte, dass absehbar ist, dass Blinde wieder sehend werden.

Im Fokus der weltweiten Forschung stehen vier verschiedene Systeme. Drei davon zielen darauf ab, den Sehnerv respektive die Netzhaut mit Impulsen zu stimulieren und so auf dem traditionellen Weg ein Sehen zu ermöglichen. Voraussetzung dazu ist ein funktionierender Sehnerv.


  1. Der vielversprechendste Ansatz ist dabei der Sehchip, der unter die Netzhaut eingepflanzt wird: das subretinale Implantat. Dieser Chip funktioniert wie in einer digitalen Videokamera. Er fängt Bilder ein, die normal durchs Auge eingefangen werden, wandelt diese Bildinformationen in elektrische Impulse um und leitet sie an den Sehnerv weiter. Damit konnten tatsächlich schon einige Blinde wieder schemenhaft hell und dunkel unterscheiden.
  2. Der zweite Ansatz ist das epiretinale Implantat. Diese Methode hat bereits erste Roboteransätze, trägt doch der Patient eine Kamera auf der Brille, die Bilder respektive elektrische Impulse an einen Netzhautstimulierer sendet. Dieser befindet sich im Auge, wo er die lediglich einen viertel Millimeter dicke Netzhaut reizt.
  3. Das Nervus-opticus-Implantat hingegen umgeht die Netzhaut. In dieser Version funkt die Kamera die Bilder direkt in den Sehnerv. Erfolge konnte auch dieses System vorweisen. So erkannte eine Patientin nach 20 Sekunden Suchen eine weisse Vase auf einem schachbrettartig gemusterten Tisch.
  4. Ohne Auge kommt das kortikale Implantat, die so genannte Cyborg-Variante, aus. Dabei fängt eine Kamera Bilder ein und speist diese als elektrische Impulse ins Gehirn ein. Versuchspersonen erhielten damit grobe Seheindrücke. Diese Methode ist seit Ende der 1970er-Jahre im experimentellen Einsatz.


Doch so vielversprechend die Ansätze sind, etwas wird keines dieser Systeme können: ein farbiges Bild vermitteln.
 
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