Eine Geburt wird dann als Spontangeburt bezeichnet, wenn sie ohne medikamentöse oder operative Eingriffe ausgelöst oder durchgeführt wird. Eingeleitet wird sie durch Wehen, welche es dem Kind ermöglichen, die Gebärmutter (Uterus) zu verlassen und «auf die Welt zu kommen».
Der Verlauf einer Spontangeburt wird in verschiedene Stadien eingeteilt, die alle charakteristische Merkmale aufweisen.
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| Eröffnungsperiode | Mit ihr beginnt die Geburt. Sie zeichnet sich durch das Einsetzen der ersten regelmässigen Wehen aus. Dabei beginnt sich der Muttermund (Cervix) zu öffnen. Während der Schwangerschaft war er durch einen Schleimpfropf dicht verschlossen. Dieser wird nun ausgestossen, was mit einer leichten Blutung einhergeht. Diese Cervixeröffnung nennt man auch «Zeichnen».
Der Muttermund weitet sich nun nach und nach, bis er eine Öffnung von zehn Zentimeter erreicht. Der unterste Teil der Fruchtblase wird nun sichtbar. In ihr konnte der Fötus, von Fruchtwasser schützend umgeben, wachsen und sich entwickeln. Durch den zunehmenden Druck, den die Wehen auslösen, wölbt sich die Fruchtblase immer mehr durch die Öffnung vor, bis sie platzt. Bei diesem Blasensprung geht Fruchtwasser ab. Ein Teil aber wird dadurch zurückgehalten, dass das Köpfchen des Kindes nun nach unten rutscht und den Muttermund wie ein Kugelventil verschliesst.
Die gesamte Eröffnungsperiode dauert zwischen sieben und zehn Stunden, je nachdem ob die Frau ihr erstes Kind gebärt oder ob sie schon mehrere Kinder auf die Welt gebracht hat. Bei Erstgebärenden zieht sich die Eröffnungsperiode länger hin, weil sich der Muttermund langsamer öffnet (ca. ein Zentimeter pro Stunde). |
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Austreibungsperiode | Sie beginnt mit dem Einsetzen der Presswehen. Nun spannt sich die gesamte Bauchdecke kräftig an und ein starker Drang zu pressen beginnt, ohne dass die Frau dies beeinflussen könnte. Während dieser Pressperiode entsteht ein sehr hoher Druck im Mutterleib. Die Folge ist, dass die Blutversorgung des Uterus vermindert oder sogar unterbrochen wird, weil durch den hohen Druck die Blutgefässe zusammengedrückt werden. Dieser Teil der Austreibungsperiode ist demnach eine kritische Zeit, denn sie stellt für das Kind die Phase mit der höchsten Gefährdung dar.
Durch die Presswehen wird das Kind durch die Beckenöffnungen und schliesslich durch die Vagina (Scheide) an die Oberfläche geführt. Das Sichtbarwerden des Kopfes an der Scheidenöffnung nennt man «Einschneiden des Kopfes», sofern das Kind mit dem Kopf voran geboren wird. Dies ist bei den meisten Geburten der Fall. Wenn das Kind zu Welt gekommen ist, folgt das Abfliessen des restlichen Fruchtwassers, womit die Austreibungsphase abgeschlossen ist. |
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| Nachgeburtsperiode | Auch in dieser letzten Phase der Geburt treten Wehen auf. Sie führen dazu, dass der Mutterkuchen (Plazenta) sich von der Uteruswand löst und ausgeschieden wird. Ein vollständiges Ausscheiden der Plazenta ist wichtig, weil zurückgebliebene Reste Entzündungen und Blutungen verursachen können. Zudem sorgen die Nachgeburtswehen dafür, dass nachgeburtliche Blutungen gestillt werden. |
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Mit der abgeschlossenen Nachgeburtsperiode beginnt das
Wochenbett, die ersten paar Tage nach der Geburt. Mütter, die frisch geboren haben, werden als «Wöchnerinnen» bezeichnet.
Wehen
Wehen sind kräftige Zusammenziehungen (Kontraktionen) des Uterus, welche die Frau als zum Teil sehr schmerzhaft empfindet, je nachdem, um welche Art von Wehen es sich handelt. Dementsprechend werden die Wehen folgendermassen unterteilt:
- Schwangerschaftswehen können schon früh in der Schwangerschaft auftreten, gehen aber nicht auf den gesamten Mutterleib über. Sie treten unregelmässig auf und haben das Ziel, die Blutzirkulation des Mutterleibs zu fördern.
- Vor- oder Senkwehen sind stärker ausgeprägt als die Schwangerschaftswehen, aber besitzen ebenfalls noch keinen Rhythmus. Sie sorgen dafür, dass der Muttermund reifen, der unterste Uterusteil sich entfalten und der vorangehende Teil des Kindes sich weiter nach unten senken kann.
- Eröffnungswehen zeichnen sich durch rhythmische Kontraktionen aus. Anfangs sind es fünf bis zwanzig Kontraktionen pro Stunde, sie werden aber immer häufiger und stärker. Ihre Dauer beträgt 30 bis 60 Sekunden. Durch die Eröffnungswehen wird der Muttermund mit der Zeit vollständig erweitert.
- Austreibungs- oder Presswehen treten im Schnitt nun alle zwei Minuten auf. Durch sie wird das Kind aus dem Becken der Mutter (Geburtskanal) «ausgetrieben». Da sie sehr stark sind und einen hohen Druck innerhalb des Uterus verursachen, wird in dieser Zeit die Durchblutung und damit die Sauerstoffversorgung des Kindes stark vermindert oder sogar gänzlich unterdrückt. Es ist daher wichtig, dass das Kind den Geburtskanal schnell passieren kann.
- Nachgeburtswehen treten einige Minuten nach dem Austritt des Kindes ein und verursachen eine vollständige Ablösung und Ausstossung der Plazenta aus.
- Nachwehen kommen am Schluss des Geburtsvorgangs. Sie sorgen für eine verminderte Durchblutung des Uterus und bringen die Stelle, wo vorher die Plazenta haftete, zur Blutstillung. Erstgebärende empfinden oft keine Nachwehen. Je mehr Kinder eine Frau zur Welt gebracht hat, umso stärker fallen die Nachwehen aus.
Über die Bedeutung der
Wehenschmerzen gibt es verschiedene Ansichten. Am ehesten sind sie wohl als Notsignal zu sehen, das die Frau auf eine aussergewöhnliche Situation hinweist. Die Meinung, dass sie zur Regulierung während der Geburt dienen, ist wohl falsch. Im Gegenteil: Sie sind eine der häufigsten Ursachen für Verzögerungen während des Geburtsverlaufs. Deshalb gehört die Schmerzlinderung zu den wichtigsten Aufgaben eines Geburtshelfers. Damit wird der Frau eine angenehmere und dem Kind eine unter Umständen beschleunigte Geburt ermöglicht.
Wehenauslösende Faktoren
Es gibt verschiedene Faktoren, welche die Wehen auslösen und beeinflussen:
- Chemische Faktoren: Oxytocin, das vom Fötus gebildet wird, und Östrogen aus der Plazenta lösen die Bildung von Prostaglandinen in den Eihäuten aus. Letztere Substanzen verursachen zusammen mit Oxytocin die Uteruskontraktion.
- Mechanische Faktoren: Kurz vor dem Geburtstermin nimmt das Gewicht des Kindes und die Fruchtwassermenge ab. Dies vermindert die Spannung im Uterus und verstärkt die Wirkung der obengenannten Hormone.
- Nervale Faktoren: Das vegetative Nervensystem hat ebenfalls einen regulierenden Einfluss. Es führt zu einer Ausschüttung von Oxytocin von Seiten der Mutter.
Alles in allem kann man sagen, dass das Kind selber den Termin seiner Geburt stark mitbeeinflusst.
Geburtsmechanismus
Mit dem Begriff «Geburtsmechanismus» bezeichnet man die Art und Weise, wie sich das Kind während dem Geburtsverlauf seinen Weg durch das mütterliche Becken sucht.
Entscheidend dafür ist die kindliche Lage im mütterlichen Bauch. 96 Prozent aller Kinder liegen mit dem Kopf gerade nach unten (Schädellage), dieser wird also als erstes nach draussen gelangen. Weitere 3 Prozent liegen zwar ebenfalls senkrecht im Mutterleib, aber mit den Beinen oder dem Gesäss nach unten. Das restliche 1 Prozent liegt quer im Uterus. Eine natürliche Geburt ohne operativen Eingriff ist hier nicht möglich.
Bei der Schädellage ist der Bewegungsablauf vorgegeben. Weil der Eingang des Beckens queroval, der Ausgang jedoch längsoval ist, muss sich das Kind während der Geburt laufend in die richtige Position drehen, um den Geburtskanal zu durchqueren. Dabei ist der Kopf den Bewegungen der Schultern jeweils um einen Schritt voraus, weil diese erst später folgen. Für den Geburtshelfer sind diese Kenntnisse wichtig, da bei falschen Bewegungen des Kindes sich dieses im Geburtskanal «verkeilen» kann und damit stecken bleibt. Dies in einer Phase, in der die Blutversorgung des Fötus schlecht ist und ein einigermassen schnelles Heraustreten aus dem Becken wichtig wäre.