Die Muttermilchernährung und somit das Stillen bieten für das Neugeborene in den ersten 3 bis 6 Monaten zweifellos die grössten Vorteile. Schon die erste Muttermilch, das sogenannte Kolostrum, unterstützt mit seinem hohen Gehalt an Antikörpern (Immunglobulinen) die Infektabwehr des Neugeborenen.
Die Muttermilch stellt zudem eine geringe Belastung für die Verdauung des Neugeborenen dar, da sie mit ihrem Gehalt an Eiweissen (vorwiegend Kasein), Fetten und Kohlenhydraten (vorwiegend Laktose) dem Nährstoffbedarf des Neugeborenen optimal angepasst ist.
Die Zusammensetzung der Milch ändert sich jedoch in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt. Während der Schwangerschaft und den ersten zwei bis drei Tagen nach der Geburt wird das Kolostrum (Vormilch) gebildet. Um den dritten Tag nach der Geburt kommt es zur Bildung der Übergangsmilch, deren Fettgehalt höher liegt als in der Vormilch. Nach etwa 15 Tagen erhält das Kind die reife Frauenmilch.
Die Muttermilchernährung bietet einige Vorteile für das Kind:
- Wie bereits erwähnt, stellt die Muttermilch für die Verdauung des Kindes eine geringe Belastung dar, da sie in der Nährstoffzusammensetzung optimal der Verdauung und den Bedürfnissen des Kindes angepasst ist. Zudem kann das Kind Nahrungsstoffe wie Vitamine und Spurenelemente besser aus der Muttermilch aufnehmen, als zum Beispiel aus der Kuhmilch.
- Durch ihren Gehalt an Antikörpern und weiteren Schutzstoffen schützt und stärkt die Muttermilch die frühe Infektabwehr des Neugeborenen.
- Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Muttermilch jederzeit zur Verfügung steht und einfach zu gewinnen und zu verabreichen ist. Und nicht zuletzt verbessert das Stillen auch die wichtige Beziehung zwischen der Mutter und dem Kind.
Stilltechnik
Die Art und Weise wie die Mutter ihr Kind stillt, hat einen entscheidenden Einfluss auf die Milchbildung und -abgabe: Es wird empfohlen das Kind unmittelbar nach der Geburt an die Brust anzulegen, um einerseits die Milchbildung anzuregen und andererseits die Mutter-Kind-Beziehung frühzeitig herzustellen.
Das Stillen stellt sowohl für die Mutter wie auch für das Kind einen gegenseitigen Lernprozess dar und die junge Mutter sollte für ein gutes Stillergebnis Geduld zeigen. Das Stillen muss dann erfolgen, wenn das Kind danach verlangt.
Die Brust sollte dabei bei jeder Mahlzeit gewechselt werden. Um eine Brustentzündung (Mastitis puerperalis) zu vermeiden, sollte das Kind nicht länger als 5 bis 10 Minuten an einer Seite angelegt werden.
Allgemein ist darauf zu achten, dass die Brust sauber und nach dem Stillen trocken gehalten wird. Das Kind seinerseits muss während dem ganzen Stillvorgang frei atmen können.
Stillschwierigkeiten und Stillhindernisse
Trotz den vielen Vorteilen, die das Stillen bietet, gibt es einige Situationen, die ein Stillen des Kindes erschweren oder sogar verunmöglichen. Darunter zählen zum Beispiel eine schwere Erkrankung der Mutter, Abszesse der Brustdrüsen, Medikamente und Infektionen der Mutter (z.B. HIV-Infektion, Hepatitis-B-Infektion). Weiterhin können aus verschiedenen Gründen Schwierigkeiten des Stillens auftreten, etwa wenn...
- ...Anomalien der Brustdrüsen vorliegen,
- ...die Mutter zu wenig oder keine Milch produzieren kann,
- ...die Milch verspätet oder verstärkt einschiesst
- ...die Brust, die gerade nicht zum Stillen benötigt wird, übermässig Milch abgibt.
Medikamente während des Stillens
Nimmt die Mutter während der Zeitperiode, in der sie stillt, Medikamente zu sich, kann dies das Kind gefährden, da einige Wirkstoffe über die Milch auf das Neugeborene übertragen werden können. Unter diese Gruppe von Medikamenten, auf die in der Stillzeit verzichtet werden sollte, gehören unter anderen Antibiotika, Narkotika, Medikamente gegen zu hohen Blutdruck (Antihypertensiva), fiebersenkende (Antipyretika) und entzündungshemmende (Antiphlogistika) Medikamente, Psychopharmaka und auch Drogen.
Auch was die
Verhütung während der Stillzeit angeht, gelten besondere Regeln. Ausführliche Informationen dazu finden Sie im Dossier «Empfängnisverhütung».