Schwangerschaft
Schwangerschaft
Eine Schwangerschaft ist eigentlich ein normaler Vorgang, der ohne Störungen für Mutter und Kind ablaufen sollte. Eher harmlose Beschwerden wie die Morgenübelkeit sind häufig und normal.

Es können während der Schwangerschaft aber auch ernst zu nehmende Krankheiten auftreten, die eine Gefahr für die Gesundheit von Mutter und Kind bedeuten. Gefürchtete Komplikationen sind Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaften, die Rhesusunverträglichkeit und Blutungen.


Schwangerschaftserkrankungen

Schwangerschaftserkrankungen oder Gestosen sind Störungen, die nur im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft auftreten. Sie sind Zeichen einer Anpassungsstörung des weiblichen Organismus an einen erhöhten Leistungsanspruch durch die Schwangerschaft. Nach ihrem zeitlichen Bezug zur Schwangerschaftsdauer unterscheidet man die Frühgestosen und Spätgestosen.


Frühgestosen Die Ursache der Frühgestosen liegt wahrscheinlich in der schwangerschaftsbedingten hormonellen Umstellung.

Die Emesis gravidarum mit Übelkeit und morgendlichem Erbrechen gehört zu den häufigsten Beschwerden in der Frühschwangerschaft und wird als normale Begleiterscheinung angesehen. Es kann zu einer leichten Gewichtsabnahme kommen. Die Störung dauert in der Regel nicht über die 12. bis 14. Schwangerschaftswoche hinaus an. Meistens kann bei leichtem Erbrechen auf eine Therapie verzichtet werden. Die Schwangere sollte statt der drei Hauptmahlzeiten viele kleine Mahlzeiten in kurzen Abständen einnehmen. Es kann auch helfen, ein leichtes Frühstück im Bett vor dem Aufstehen zu sich zu nehmen.

Unter der Hyperemesis gravidarum versteht man das übermässige und anhaltende Erbrechen in der Schwangerschaft. Bei gleichzeitig fehlender Nahrungszufuhr kann dies innerhalb kurzer Zeit zu einem schweren Krankheitsbild mit schweren Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten und Beeinträchtigung der Leberfunktion führen. Im Extremfall ist ein stationärer Spitalaufenthalt der Schwangeren notwendig. Die Therapie umfasst Infusionen zum Flüssigkeitsersatz, zur Kalorienzufuhr und zur Normalisierung der Elektrolyte.

Spätgestosen Die Spätgestosen treten im 2. und 3. Trimenon der Schwangerschaft auf und zeichnen sich durch Bluthochdruck aus. Man kann zwischen einer isolierten Hypertonie und der Präeklampsie, einer Kombination von Hypertonie und Proteinurie (Eiweisse im Urin), unterscheiden.

Die Präeklampsie ist eine Schwangerschaftserkrankung, die meist im letzten Schwangerschaftsdrittel auftritt. Sie ist Ausdruck einer gestörten Anpassung des mütterlichen Organismus an die Schwangerschaft. Die Symptome sind ein zu hoher Blutdruck (über 140/90 mmHg) und zu viel Eiweiss im Urin (mehr als 300 mg/24 Stunden). Ausserdem sind häufig starke Schwellungen (Ödeme) an den Beinen, an den Armen und im Gesicht zu beobachten, die auch durch Bettruhe nicht verschwinden. Wird der Schwangerschaftshochdruck nicht behandelt, besteht die Gefahr einer verminderten Durchblutung der Plazenta, die zu einer verzögerten Entwicklung des ungeborenen Kindes führen kann.

Die Eklampsie stellt eine besonders schwere Manifestation der Präeklampsie dar. Sie zeichnet sich durch einen Krampfanfall und/oder tiefe Bewusstlosigkeit (Koma) aus.

Das HELLP-Syndrom ist eine besonders schwer wiegende Verlaufsform der Präeklampsie, die durch eine schwere Leberfunktionsstörung kompliziert wird. Es tritt eine massive Störung der Blutgerinnung ein und die Funktion der Nieren ist erheblich gestört. Die Eklampsie und das HELLP-Syndrom stellen eine akute Bedrohung der mütterlichen Gesundheit dar und erfordern eine rasche Beendigung der Schwangerschaft durch Kaiserschnitt.

Je nach dem, wann und in welchem Schweregrad die Präeklampsie bei der vorangegangenen Schwangerschaft aufgetreten ist, kann es auch bei Folgeschwangerschaften vermehrt zur Bildung des Syndroms kommen. Die Wiederholungsrate ist erheblich, wenn die Mutter an den massgeblichen Vorerkrankungen (Hypertonie, Nierenerkrankungen, Gefässstörungen) leidet. Je früher es zudem in der Schwangerschaft auftritt, desto schwerer kann das Syndrom in den Folgeschwangerschaften verlaufen.



Mehrlingsschwangerschaften

Mehrlingsschwangerschaften stellen immer Risikoschwangerschaften dar. Die Belastung für den mütterlichen Organismus ist noch grösser als bei der «normalen» Schwangerschaft. Die Übelkeit zu Beginn der Schwangerschaft ist oft stärker, in der Spätschwangerschaft treten vermehrt Gestosen auf.

Die Früh- und Fehlgeburtsrate ist bei Mehrlingsschwangerschaften deutlich erhöht. Deshalb ist eine sorgfältige Schwangerschaftsvorsorge sehr wichtig.


Extrauteringravidität

Unter Extrauteringravidität versteht man eine Schwangerschaft, die ausserhalb der Gebärmutter (extra uterus) stattfindet. Dies kann überall in der Bauchhöhle, in den Eierstöcken oder im Eileiter der Fall sein. 95 Prozent der Extrauteringraviditäten finden sich im Eileiter, und zwar meist in der Ampulle.

Die meisten extrauterinen Schwangerschaften gehen sehr früh zugrunde. Dabei kann es zu schweren mütterlichen Blutungen kommen, die ohne Behandlung lebensbedrohlich sind.

Ursache für eine Eileiterschwangerschaft kann ein versperrter Eileiter (durch frühere Infektionen, Operationen oder Sterilisation) sein.

Zur Diagnose einer Eileiterschwangerschaft dient der Schwangerschaftstest in Kombination mit einer Ultraschalluntersuchung. Ein positiver Test und eine «leere» Gebärmutter im Ultraschall sprechen deutlich für eine Eileiterschwangerschaft. Da extrauterine Schwangerschaften nicht mit dem Leben vereinbar sind, besteht die Therapie in einer operativen Entfernung des ausserhalb der Gebärmutter eingenisteten Embryos, bevor die gefährlichen Komplikationen eintreten.


Fehlgeburt

Von einer Fehlgeburt (Spontanabort) spricht man bei einem Verlust der Schwangerschaft etwa in der ersten Schwangerschaftshälfte, wenn das Kind unter 500 Gramm wiegt und noch nicht lebensfähig ist.

Fehlgeburten kommen relativ häufig vor. Zu den wichtigsten Ursachen zählen genetische Defekte des Embryos oder mütterliche Ursachen wie Infektionen, Störungen der Entwicklung der Plazenta, Fehlbildungen der Gebärmutter. Eine Fehlgeburt stellt die häufigste Blutungsursache in der Schwangerschaft dar.
  • Ein drohender Abort liegt vor, wenn eine Blutung auftritt, die Schwangerschaft aber noch intakt ist. Hier kann durch rechtzeitig einsetzende Therapie die Schwangerschaft noch erhalten werden.
  • Eine beginnende Fehlgeburt äusserst sich in Blutungen und krampfartigen Schmerzen. Auch mit Therapie kann der Abort nicht mehr aufgehalten werden. Falls der Abort vollständig abläuft, ist kein weiterer Eingriff notwendig. Bei einem «unvollständigen» Abort ist eine Gebärmutterausschabung (Curettage) erforderlich, um die Plazentaüberreste zu entfernen.
  • Eine Sonderform ist der verhaltene Abort, die bereits abgelaufene, aber noch nicht ausgestossene Fehlgeburt. Die subjektiven Zeichen der Schwangerschaft gehen zurück. Mittels Ultraschalluntersuchung erfolgt die Sicherung des Kindstodes. Danach wird die Schwangerschaft im Krankenhaus beendet, entweder durch Ausschabung der Gebärmutter oder durch künstliche Einleitung der Wehen.
Frauen, die bereits einmal eine Fehlgeburt erlitten haben, besitzen ein grösserer Risiko, bei der nächsten Schwangerschaft erneut eine Fehlgeburt zu erleiden.


Rhesusunverträglichkeit

Der Rhesusfaktor des Blutes kann positiv oder negativ sein. Von der Rhesusunverträglichkeit sind nur rhesus-negative Frauen betroffen, deren Kind rhesus-positiv ist.

Kommt es zum Kontakt des mütterlichen Blutes mit dem des Kindes, z.B. während der Geburt, werden von der Mutter Rhesus-Antikörper gebildet. Diese zerstören beim nächsten rhesus-positiven Kind dessen rote Blutkörperchen. Das Neugeborene leidet an einer Blutarmut, Vergrösserung von Leber und Milz und Gelbsucht.

Die Therapie besteht aus einer Phototherapie (Licht) oder einem Blutaustausch. Durch Verabreichung von Anti-D-Immunoglobulin bei rhesus-negativen Frauen mit rhesus-positiven Partnern während und nach der Schwangerschaft wird die Bildung von Antikörpern im Blut verhindert.


Diabetes während der Schwangerschaft

Bei schlecht eingestelltem Diabetes ist die Sterblichkeit des ungeborenen Kindes (z.B. durch Frühgeburt) und die Fehlbildungsrate (z.B. des Herzens) deutlich erhöht. Die Säuglinge neigen zum Abfallen des Blutzuckers (Hypoglykämie) und zu erniedrigten Kalziumwerten im Blut. Diabetikerinnen, die schwanger werden, gehören deshalb zu den Risikoschwangeren und benötigen intensivere Vorsorgeuntersuchungen. Bei guter Einstellung des Blutzuckers durch Diät oder Insulin werden Folgeschäden des Kindes weitgehend verhindert.

Unter Schwangerschaftsdiabetes versteht man eine Zuckerkrankheit, die erstmals in der Schwangerschaft auftritt. Frauen, die bereits älter sind, sowie Frauen mit Übergewicht oder vermehrtem Vorkommen von Diabetes in der Familie sind häufiger betroffen. Die Auswirkungen auf das ungeborene Kind sind eine erhöhte Fehlgeburtenrate und eine Makrosomie (Geburtsgewicht über 4000 Gramm). Zur Vorbeugung wird in der ersten Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchung der Nüchternblutzuckerwert bestimmt und kontrolliert, ob im Urin Zucker (Glukose) vorhanden ist.


Plazentakomplikationen

Es gibt drei wesentliche Komplikationen der Plazenta, die während der Schwangerschaft zu Problemen führen.
  • Plazenta praevia: Die Plazenta liegt in der unteren Hälfte der Gebärmutter und verschliesst den Muttermund ganz oder teilweise. Dies kann im letzten Schwangerschaftsdrittel zu Blutungen führen. Bei leichteren Blutungen hilf Bettruhe. Oft wird bei Vorliegen einer Plazenta praevia das Kind per Kaiserschnitt zur Welt gebracht.
  • Plazenta-Insuffizienz: Hiervon spricht man, wenn die Plazenta den Fetus nicht ausreichend versorgen kann. Dies ist bei einer Entwicklungsstörung, verminderten Durchblutung oder einer zu kleinen Plazenta der Fall. Eine Plazenta-Insuffizienz findet man häufig bei Raucherinnen, bei Frauen mit Diabetes oder mit Mehrlingsschwangerschaften. Die Folgen einer ungenügenden Versorgung des ungeborenen Kindes durch die Plazenta ist eine Wachstumsverzögerung.
  • Vorzeitige Plazenta-Lösung: Bei einer vorzeitigen Plazentalösung kommt es je nach Grösse der Ablösung zu einem verschieden grossen Blutverlust. Bei einer leichte Plazentalösung wird Bettruhe verschrieben. Bei schweren Fällen wird das Kind sofort per Kaiserschnitt zur Welt gebracht und der Mutter eine Bluttransfusion verabreicht.


Vorzeitiger Blasensprung

Normalerweise ereignet sich der Blasensprung (das Platzen der Fruchtblase) erst kurz vor der Geburt. Eine Infektion der Fruchtblase oder vermehrte Belastung (z.B. durch Mehrlinge) können einen vorzeitigen Blasensprung auslösen. Bereits ein kleiner Defekt der Fruchtblase kann zu einer Gebärmutterinfektion führen. Daher ist die Antibiotikagabe bei vorzeitigem Blasensprung notwendig, wenn die Schwangerschaft noch nicht weit genug fortgeschritten ist, um die Geburt einzuleiten.


Störungen der Fruchtwassermenge

Fehlbildungen der Niere und der ableitenden Harnwege beim Neugeborenen mit verringerter Urinausscheidung, sowie ein vorzeitiger Blasensprung mit Fruchtwasserverlust können zu einem Oligohydramnion (Mangel an Fruchtwasser) führen. Dadurch wird die Lungenfunktion des ungeborenen Kindes nicht genügend angeregt und durch die engen Platzverhältnisse können seine Knochen verformt werden.

Die Ursachen, die zu einem Polyhydramnion (zu viel Fruchtwasser) führen, sind meistens unbekannt. Mütterliche Symptome sind eine ungewöhnlich grosse Gebärmutter, Unterleibsschmerzen, Kurzatmigkeit, Verdauungsstörungen und Schwellungen in den Beinen.


Frühgeburten

Als Frühgeburt bezeichnet man eine Geburt vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche. Bei der spontanen Frühgeburt setzen die Wehen vorzeitig ein. Risikofaktoren sind Mehrlingsschwangerschaften, Infekte des Kindes, ein vorzeitiger Blasensprung, eine Muttermundschwäche, zuviel Fruchtwasser, Fehlbildungen der Gebärmutter, Bluthochdruck oder Rauchen.

Die Schwangerschaft kann aber auch bewusst vorzeitig beendet werden, entweder durch Kaiserschnitt oder künstliche Einleitung der Wehen. Dies kann bei der Präeklampsie und anderen Komplikationen mit Bedrohung der Mutter und des Kindes angezeigt sein.

Viele Frühgeboren tragen lebenslange Schäden davon, die umso grösser sind, je früher das Kind zur Welt gekommen ist. Körperliche und geistige Entwicklungsstörungen können die Folge sein.


Vorgeburtliche Untersuchungen (Pränataldiagnostik)

Zur Pränataldiagnostik gehören alle Untersuchungen, die während der Schwangerschaft durchgeführt werden können, um über den Gesundheitszustand des ungeborenen Kindes Informationen zu erhalten. Zu den Methoden gehören Ultraschalluntersuchungen, Amniozentese (Fruchtwasserpunktion), Chorionzottenbiopsie oder die Untersuchung des mütterlichen Blutes.

Untersuchungen dieser Art sind teilweise umstritten, da sie die werdenden Eltern vor schwerwiegende Entscheidungen stellen können, die nicht zuletzt in moralische Zweifel münden, ob für sie ein Schwangerschaftsabbruch angesichts der Tests in Frage kommt. Eltern in dieser Phase ärztlich beizustehen ist sehr wichtig, wenn es um fast unlösbare Fragen wie «was ist lebenswert?» geht.

  • Bei der Amniozentese (Fruchtwasserentnahme) wird unter gleichzeitiger Ultraschallkontrolle eine dünne Nadel durch die Bauchdecke in die Fruchthöhle eingeführt, um ein wenig Fruchtwasser zu entnehmen. Der Eingriff wird etwa in der 16. Schwangerschaftswoche vorgenommen. Im Fruchtwasser finden sich abgeschilferte Zellen des Feten, diese werden nun im Labor angezüchtet und zur Teilung gebracht. Auf diese Weise können die Chromosomen des Kindes analysiert und eine eventuelle Veränderungen (z.B. Trisomie 21) nachgewiesen werden.

    Komplikationen der Amniozentese sind ein Blasensprung und Infektionen. Das Risiko für einen Verlust der Schwangerschaft liegt bei weniger als einem Prozent.
  • Die Chorionzottenbiopsie lässt sich etwa ab der elften bis zwölften Schwangerschaftswoche anwenden. Unter ständiger Ultraschallkontrolle wird durch die Bauchdecke der Schwangeren mit einer feinen Nadel Gewebe aus der Plazenta entnommen und darauf im Labor untersucht. Die Ergebnisse liegen früher vor als bei der Amniozentese und lassen ähnliche Diagnosen zu.

    Die Krankenkasse übernimmt die Kosten der Chorionzottenbiopsie, falls folgende Indikationen vorliegen: Die Mutter ist über 35 Jahre alt; zum Ausschluss familiär gehäufter genetischer Erkrankungen; oder falls die Blut- oder Ultraschalluntersuchung ein erhöhtes Risiko einer Chromosomenstörung ergaben.
  • Zwischen der 10. und 12. Schwangerschaftswoche kann mit dem Ultraschall die Nackentransparenzmessung durchgeführt werden. Die Nackentransparenz (Nackenfalte) ist eigentlich ein Flüssigkeitspolster und kann, falls sie dicker ist als 3 mm, als Hinweis für eine Chromosomenstörung (Trisomien) gelten. Da aber auch viele gesunde Embryos eine erhöhte Nackendichte haben, sollte bei einer erhöhten Wahrscheinlichkeit einer Chromosomenstörung der Verdacht durch die Amniozentese oder Chorionzottenbiopsie bestätigt werden.
  • Der sogenannte Tripletest erlaubt eine Abschätzung des Risikos einer kindlichen Chromosomenstörung. Der Test kann aber nicht sagen, ob eine Störung im Moment oder später tatsächlich vorliegt. Dabei werden drei bestimmte Eiweisse (Alpha-Fetoprotein, HCG und freies Östriol) im mütterlichen Blut untersucht. Gleichzeitig ist das genaue Alter der Schwangerschaft und das Alter der Mutter zur Abschätzung des Risikos wichtig. Liegen die Werte im Normbereich, erübrigt sich die Amniozentese.
  • Die Bestimmung des Alpha-Fetoproteins im mütterlichen Blut dient zur Abschätzung eines Neuralrohrdefektes (offener Rücken) beim Ungeborenen.
 
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