Der gläserne Patient
Der gläserne Patient
Genau genommen ist auch die Computertomographie (CT) eine Art des Röntgens, da auch bei dieser Untersuchungsmethode Röntgenstrahlung verwendet wird. In Gegensatz zum konventionellen Röntgen können beim CT durch Drehung des Detektors aber auch Körperregionen abgebildet werden, die hinter oder vor dichteren Regionen liegen. Ein Mehrschicht-Computertomograph der allerneusten Generation steht im Paraplegikerzentrum Nottwil im Einsatz.

Die konventionelle Röntgen-Technik liefert Summationsbilder (Abbildung eines Volumens in einem zweidimensionalen Bild), weil der zwischen Röntgenquelle und Röntgenfilm befindliche, dreidimensionale Körperteil auf dem Film zweidimensional abgebildet wird. Strukturen, die in Richtung des Strahlenganges nicht nebeneinander, sondern hintereinander liegen, können also nicht unterschieden werden.

Moderner Computertomograph
Moderner Computertomograph
Die Lösung dieses Problems bestand darin, die Röntgenquelle um den Patienten kreisen zu lassen, womit der Strahlengang ständig seine Richtung wechselt und die zu untersuchenden Strukturen von jeweils vielen verschiedenen Seiten durchstrahlt werden. Zur Messung der Abschwächung der Röntgenstrahlen im Körper war daher ein gewöhnlicher Film nicht mehr geeignet. Er wurde durch einen Kranz von elektronischen Detektoren ersetzt, die viel empfindlicher reagieren als ein Film, und deren Messdaten von einem leistungsstarken Computer zu Bildern umgerechnet werden. Diese Bilder zeichnen sich durch eine wesentlich höhere Kontrastauflösung als herkömmliche Röntgenaufnahmen aus. Da es sich um Schnittbilder handelt, gibt es auch keine Überlagerungs- respektive Summationseffekte. Entwickelt in den 70er Jahren, war es zu dieser Zeit die einzige Methode, mit der man das Gehirn abbilden konnte.

Die Untersuchungseinheit besteht aus einem Tisch mit verschiebbarer Platte und einem grossen Ring, in welchem die Röntgenröhre und ein Kranz aus Strahlendetektoren beweglich angeordnet sind. Moderne Geräte erzeugen nicht wie früher eine Schichtaufnahme nach der anderen, sondern arbeiten in der sogenannten «Spiraltechnik», wobei die Röhre ununterbrochen kreist und der Tisch kontinuierlich durch den Ring vorgeschoben wird. Diese Technik erlaubt extrem kurze Untersuchungszeiten und bietet überdies die Gewähr, dass zwischen den einzelnen untersuchten Schichten keinerlei Lücken bleiben. Für die Klärung mancher diagnostischer Fragen, wie z. B. nach einer Lungenembolie, ist die Spiraltechnik unerlässlich.


Schnittbild durch Nasennebenhöhlen eines Patienten ohne krankhafte Veränderungen
Schnittbild durch Nasennebenhöhlen eines Patienten ohne krankhafte Veränderungen
Untersuchung: Der Patient erlebt die Computertomographie immer gleich: Die zu untersuchende Region ist zu entkleiden. Zumeist wird in Rückenlage untersucht. Während der Aufnahme sollte man sich nicht bewegen, bei bestimmten Untersuchungen (vor allem im Brust- und Bauchraum) nach Anweisung der Röntgenassistenten die Luft anhalten, weil Bewegungen die Bildqualität beeinträchtigen.

Die eigentliche Untersuchung dauert mit modernen CT-Geräten nur wenige Minuten, das exakte Planen der Untersuchung am Bildschirm kann aber vorher auch einige Minuten beanspruchen. Das Verfahren eignet sich gut für Patienten mit Platzangst. Die Strahlenbelastung der CT-Untersuchung entspricht in etwa der normaler Übersichtsröntgenaufnahmen der untersuchten Region.


Einsatzgebiete
  • Brustraum, insbesondere die Lungen, zur Klärung von verdächtigen Befunden an herkömmlichen Röntgenbildern (Herz-, Lungen-Röntgen)
  • Nachweis oder Ausschluss von Lungenembolien, von Lungentumoren (Lungenkrebs) und von Lungen- und Rippenfellmetastasen
  • Verlaufsbeobachtung der oben angeführten Erkrankungen unter entsprechender Therapie
  • Nachweis oder Ausschluss von krankhaften Veränderungen am Gehirn
  • Kontrolluntersuchungen nach Hirnblutungen
  • Diagnostik von Bandscheibenleiden, wobei hier die Magnetresonanztomographie (MRT) immer mehr an Bedeutung gewinnt
  • Alle ernsteren Erkrankungen der Bauch- und Beckenorgane
  • Erweiterung der Hauptschlagader
  • Verletzungen oder Entzündungen der Nasennebenhöhlen oder des Gesichtsschädels
  • Darstellung von krankhaft veränderten bzw. vergrösserten Lymphknoten am ganzen Körper
  • ...


Ultramoderner Tomograph für präzise Diagnosen

Der neuste Mehrschicht-Computertomograph der Welt steht in Nottwil. Er ermöglicht den Ärzten des Paraplegikerzentrums, so exakt ins Innere der Patienten zu schauen wie nie zuvor.

<b>Schnelle Analyse</b> Dr. Steffen Günther, Oberarzt Radiologie, beobachtet einen Patienten im Computertomographen. Mit dem neuen Gerät ist dieser nur rund dreissig Sekunden lang der Strahlung ausgesetzt. Mit anderen bildgebenden Verfahren dauert dies bis zu fünf Mal so lang.
Schnelle Analyse Dr. Steffen Günther, Oberarzt Radiologie, beobachtet einen Patienten im Computertomographen. Mit dem neuen Gerät ist dieser nur rund dreissig Sekunden lang der Strahlung ausgesetzt. Mit anderen bildgebenden Verfahren dauert dies bis zu fünf Mal so lang.

VON ADRIAN SCHULTHESS*

Eine räumliche Auflösung von weniger als 0,4 Millimetern: So genaue Bilder liefert «Sensation 40». Der Stolz der Radiologie-Abteilung im Paraplegikerzentrum ist ein Mehrschicht-Computertomograph der neusten Generation. Er befindet sich seit Mitte Jahr in Nottwil im Einsatz. Eine ganze Liste von Vorteilen gegenüber weniger modernen Geräten legitimiert die Neuanschaffung. Vorteile, die den Ärzten die Arbeit erleichtern, aber auch den Patienten zugute kommen.

Das Gerät stellt im Vergleich mit der Vorgängergeneration einen Quantensprung dar. Sein zugrunde liegendes Prinzip ist das gleiche wie bei älteren Computertomographen: Mit Röntgenstrahlen werden zweidimensionale Aufnahmen der Struktur im Innern eines Patientenkörpers erstellt, Schicht für Schicht. Ein Computer rechnet diese Querschnitte dann zu einer räumlichen Darstellung zusammen.

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Vor der Operation Der zweite Lendenwirbel von Siegfried Bieri war regelrecht eingestürzt, wie die frei drehbaren Aufnahmen direkt nach dem Unfall zeigen.

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Nach der Operation Im Paraplegikerzentrum wurde seine Wirbelsäule mit Schrauben und Längsstäben stabilisiert, die in der frei drehbaren Aufnahme gut sichtbar sind.
Neu ist: «Sensation» arbeitet genauer und schneller. In einem Arbeitsschritt macht er vierzig «Aufnahmen». Alles, was grösser als 0,4 Millimeter ist, können die Ärzte im errechneten dreidimensionalen Körperabbild analysieren. «Diese Bildschärfe und Brillanz – wir sind begeistert», sagt Dr. Steffen Günther, Oberarzt und Leiter der Computertomographie.

So können die Ärzte am räumlichen Computermodell etwa knöcherne Verletzungen am Rückenmarkkanal und Splitter millimetergenau lokalisieren und die chirurgischen Massnahmen noch besser vorbereiten. Für die Analyse unnötige Teile des Körpers können dafür gezielt ausgeblendet werden, um eine möglichst klare Sicht auf die Wirbelsäule zu erhalten.

Die Arbeitsweise des Mehrschicht-Computertomographen erlaubt es, die benötigten Aufnahmen in rund dreissig Sekunden zu machen. Mit herkömmlichen Geräten dauert diese Datenerfassung vier- bis fünfmal länger. Ein grosser Vorteil für die Patienten, die während den Aufnahmen möglichst reglos liegend verharren müssen. «Es ist ein beträchtlicher Unterschied, ob man den Atem ganze fünfzig oder eben nur zehn Sekunden anhalten muss», sagt Steffen Günther. Ausserdem brauchen die Ärzte den Patienten weniger Kontrastmittel zu spritzen.

Den grössten Zeitgewinn erreicht die Technologie aber in der Datennachbearbeitung. Und diese Minuten können lebensrettend sein. Denn: Je früher die Computertomographie- Ergebnisse dem behandelnden Arzt vorliegen, desto besser. «Der dabei erzielte Zeitgewinn von zwanzig bis dreissig Minuten kann gerade in Traumasituationen entscheidend sein. Und die haben wir im Paraplegikerzentrum ständig», sagt Steffen Günther.

Auch Siegfried Bieri aus dem Entlebuch kam blitzschnell ins «Sensation 40», als man ihn im Juni dieses Jahres in Nottwil einlieferte. Er war am Glaubenbergpass mit seinem Töff gestürzt und auf einen Randstein geknallt – mit dem Rücken voran. Sein zweiter Lendenwirbel war zertrümmert. Dennoch, er hatte Glück: Dank richtiger Behandlung ist nur eins seiner Beine gelähmt. Auf Krücken gestützt kann er bereits wieder gehen. «Was für ein Glück ich hatte, wurde mir erst klar, als ich all die Patienten im Paraplegikerzentrum kennen lernte, die stärker gelähmt sind als ich», sagt der gelernte Strassenbauer. «Bei mir geht ja fast alles noch.»

* Quelle: Gesundheit Sprechstunde 19/2005

3-D-Ansicht vor der Operation (2 MB)
3-D-Ansicht nach der Operation (2,2 MB)
 
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