Seit der Entdeckung der Röntgenstrahlen durch den deutschen Physiker Wilhelm Conrad Röntgen vor über 100 Jahren ist die Durchleuchtung des menschlichen Körpers aus zahlreichen Gebieten der Diagnostik nicht mehr wegzudenken.
Das Röntgen beruht auf einem einfachen Prinzip: Unterschiedliche Körperteile haben eine unterschiedliche Dichte. Je höher die Dichte, desto mehr Kontrast ergibt sich auf dem Röntgenfilm. Dadurch wird immer der Körperteil dargestellt, dessen Dichte am grössten ist - was die Darstellung davor oder dahinter liegender Körperteile verhindert. Bei manchen Körperregionen ist es daher auch notwendig, ein Kontrastmittel zu Hilfe zu nehmen.
Grundsätzlich werden Röntgenuntersuchungen auf zwei Arten durchgeführt: Während manche Körperregionen mittels konventionellen Röntgenaufnahmegeräten untersucht werden und die notwendigen Aufnahmen sofort gemacht werden, wird bei anderen Regionen die Untersuchung mittels Durchleuchtungsgerät gemacht. Bei der Durchleuchtung wird die zu untersuchende Region mittels Monitor beobachtet und werden die Bilder dann abfotografiert. Der Patient steht bzw. liegt während der Untersuchung auf einem beweglichen Röntgentisch, wodurch er von der stehenden in die liegende Position gebracht werden kann.
Obwohl die modernen Untersuchungsmethoden mit sehr geringen Strahlendosen verbunden sind, sollten Patientinnen den Arzt vor der Untersuchung über eine allfällige Schwangerschaft informieren.
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| Digitales Röntgen: Die neuste technische Evolutionsstufe verringert die Strahlenbelastung markant. (Quelle: Gesundheit Sprechstunde 10/2007) |
Vielfältige Einsatzgebiete
Computertomographie Mammographie Herz-Lungen-Röntgen Magen-Röntgen Dickdarm-Röntgen Dünndarm-Röntgen Gallen-Röntgen-Leeraufnahme mit anschliessendem Oberbauch-Ultraschall Gallengang-Röntgen Schädel- und Knochenröntgen Röntgen der Niere und ableitenden Harnwege Röntgen zur Feststellung der Harnblasenfunktion Phlebographie Mammographie
Vorbereitung: Nicht erforderlich
Kontrastmittel: Nicht erforderlich
Untersuchung: Um optimale Bilder bei möglichst geringer Strahlenbelastung zu erzielen, muss die Brust kurz etwas zusammengedrückt werden, was zwar nicht schmerzhaft sein sollte, jedoch als unangenehm empfunden werden kann. Je besser die Brust komprimiert wird, desto grössere Aussagekraft haben die Röntgenbilder. Da diese Kompression nach Ende der Regelblutung im allgemeinen als am wenigsten unangenehm empfunden wird, bemüht man sich, die Untersuchungen darauf abzustimmen.
Wenn die Aufnahmen entwickelt sind, folgt eine genaue ärztliche Untersuchung und Anamneseerhebung. Falls nötig, wird auch eine Ultraschalluntersuchung angeschlossen.
Zu beachten: Bewahren Sie die Mammographiefilme sorgfältig auf und bringen Sie Ihre alten Mammographiebilder unbedingt zu den Untersuchungen mit. Viele Veränderungen sind nur durch Verlaufskontrolle (unter gleichzeitiger Betrachtung der alten und neuen Filme) zu erkennen.
Einsatzgebiete - Ausschluss von Herden bei tastbaren Befunden
- Vorsorgeuntersuchung zur Früherkennung von Brustkrebs
Häufige Fragen zur Mammographie - Besteht eine Gefährdung durch den Druck des Geräts oder durch die Strahlendosis? Die Brust muss bei der Röntgenuntersuchung im Aufnahmegerät vorsichtig zusammengedrückt werden. Dies ist eine wesentliche Strahlenschutzmassnahme, da die Strahlendosis umso niedriger ist, je kürzer der Weg durch das Gewebe ist. Ausserdem werden dadurch die Bilder schärfer und besser beurteilbar. Die meisten Frauen empfinden das Zusammendrücken als unangenehm, es ist aber nur selten wirklich schmerzhaft und dauert nur einen kurzen Augenblick. Keinesfalls wird ein Knoten durch den Druck bösartig (wie das manchmal von Laien vermutet wird) oder durch die Mammographie überhaupt hervorgerufen!
- Was ist bei Flüssigkeitsabsonderungen aus der Brustwarze zu tun? Derartige Absonderungen sind zumeist hormonell bedingt, besonders wenn sie beidseitig auftreten. Bei einer einseitigen Absonderung aus nur einem Milchgang wird eine Kontrastmitteldarstellung dieses Milchganges im Rahmen einer sogenannten Galaktographie zum Ausschluss von Wucherungen innerhalb des Milchgangs vorgenommen. Zunächst genügt häufig die Anfertigung eines Abstriches der Flüssigkeit.
- Genügt zur Vorsorge nicht auch eine Ultraschalluntersuchung der Brust? Mittels Ultraschall kann eine Unterscheidung getroffen werden, ob es sich bei einem tastbaren Knoten um eine (harmlose) flüssigkeitsgefüllte Zyste handelt oder einen festen Gewebeknoten. Eine alleinige Ultraschalluntersuchung reicht zur Vorsorge nicht aus, da kleine Karzinome nicht sicher erkannt werden.
- Wo und wann sollte ich mich untersuchen lassen? Stellen Sie bei der Selbstuntersuchung einen Knoten fest, sollten Sie sich von Ihrem Arzt untersuchen lassen. Dieser wird über weitere Schritte entscheiden. Im Regelfall wird er Sie an einen Radiologen zur Mammographie überweisen. Generell sollten Sie ab dem 35. Lebensjahr mit regelmässigen Vorsorgeuntersuchungen beginnen und alle zwei Jahre eine Mammographie durchführen lassen. Bei Frauen über 50 Jahre sollte einmal im Jahr eine Vorsorgeuntersuchung durchgeführt werden. Besteht ein erhöhtes Risiko, etwa wenn Brustkrebsfälle in der Verwandtschaft gehäuft aufgetreten sind, kann die Mammographie auch öfter gemacht werden.
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Herz-Lungen-Röntgen (Thorax-Röntgen)
Vorbereitung: Nicht erforderlich
Kontrastmittel: Nicht erforderlich
Untersuchung: Der notwendige Kontrast zu den Weichteilen der Brustkorborgane wird durch die in den Lungen vorhandene Luft erzeugt. Es werden zwei Aufnahmen in tiefer Einatmung von vorne und von der Seite gemacht. Manchmal muss zusätzlich in der Durchleuchtung ein unklarer Befund in Bewegung analysiert werden.
Einsatzgebiete - Lungenentzündungen
- Rippenfellentzündungen
- Geschwülste der Bronchien
- Onkologische Nachsorge
- Herzerkrankungen, die meist mit einer Vergrösserung des Herzens einhergehen
- Lungenstauung
- Lungenfibrose
Magen-Röntgen
Vorbereitung: Erforderlich
Kontrastmittel: Erforderlich
Untersuchung:Zuerst wird durch die Einnahme eines Brausepulvers der Magen grösstmöglich aufgebläht. Nach Trinken des Kontrastmittelbreis beobachtet der Radiologe, wie das Kontrastmittel durch die Speiseröhre und den Magen rinnt. Anschliessend wird die Durchleuchtungsanlage mit dem Patienten in Liegeposition gebracht. Damit alle Teile der Magenwand gut mit Kontrastmittel beschlagen sind, muss sich der Patient einmal um die eigene Achse drehen. Dann werden die benötigten Bilder aufgenommen.
Da der aus Weichteilen bestehende Magentrakt nur sehr wenig Kontrast erzeugt, ist eine optimale Vorbereitung und der Einsatz von Kontrastmittel erforderlich.
Einsatzgebiete - Geschwüre oder Geschwülste an Speiseröhre und Magen
- Gastritis, Zwerchfellbruch
- Klärung anatomischer Verhältnisse nach Operationen am Magen
- Magenbeschwerden
Dickdarm-Röntgen (Irrigoskopie)
Vorbereitung: Erforderlich
Kontrastmittel: Erforderlich
Untersuchung: Die Untersuchung wird am Durchleuchtungsgerät durchgeführt und beginnt im Liegen. Zunächst wird ein weiches Darmrohr in den Enddarm geschoben und ein kleiner Einlauf mit Kontrastmittel verabreicht. Danach soll der Patient den Darm wieder so gut es geht entleeren (das Kontrastmittel fliesst dabei wieder in den Kunststoffbeutel zurück; durch Verwendung eines geschlossenen Systems ist dies sehr rasch und unbelastend möglich). Danach wird die Darmbewegung mittels Injektion in die Vene kurzfristig unterbunden.
Nach diesen Vorbereitungen wird der Dickdarm mit Luft aufgebläht und zur vollen Entfaltung gebracht. Die Doppelkontrastmethode (Einlauf und Injektion) bietet den Vorteil, dass man durch die Darmschlingen hindurch sieht und auch überlagernde Schlingen die Sicht nicht verdecken. Auf diese Weise gelingt es, auch wenige Millimeter grosse Wucherungen der Dickdarmschleimhaut verlässlich zu finden. Abschliessend werden die benötigten Bilder aufgenommen.
Einsatzgebiete - Divertikel, Entzündungen, Polypen oder Geschwülste am Dickdarm
- Klärung anatomischer Verhältnisse nach Operationen am Darm
Dünndarm-Röntgen (Enteroklysma)
Vorbereitung: Erforderlich
Kontrastmittel: Erforderlich
Untersuchung: Zur besseren Darstellung der feinen Details der Dünndarmschleimhaut wird der Dünndarm bei bestimmten, zumeist entzündlichen Erkrankungen in Doppelkontrast dargestellt. Dazu wird Kontrastmittel mittels Magensonde direkt in den Dünndarm eingebracht und - mit lauwarmen Wasser vermischt - mit einem geringen Anteil Methylzellulose völlig aufgefüllt.
Diese Doppelkontrasttechnik bietet den Vorteil, dass man durch die Darmschlingen hindurch sieht und auch überlagernde Schlingen die Sicht nicht verdecken. Auf diese Wiese gelingt es, auch wenige Millimeter grosse Wucherungen der Dünndarmschleimhaut und auch entzündliche Geschwüre verlässlich zu finden. Abschliessend werden die benötigten Bilder aufgenommen.
Nach Abschluss der Untersuchung verbleibt der Patient noch eine Weile im Spital, da sich das verabreichte Wasser meist als flüssige Darmentleerung («Durchfall») kurz nach der Untersuchung entleert und auf dem Heimweg sonst Schwierigkeiten entstehen könnten.
Zu beachten: Diese Untersuchung ist zwar relativ unangenehm. Sie ist aber sehr aussagekräftig bezüglich des Vorhandenseins entzündlicher Dünndarmerkrankungen und allfälliger Komplikationen daraus.
Einsatzgebiete - Divertikel, Verengungen, Geschwüre oder Geschwülste an Dünndarm
- Dünndarmerkrankungen (meist entzündlich, z. B. Morbus Crohn, Fisteln etc.)
Gallen-Röntgen-Leeraufnahme mit Oberbauch-Ultraschall
Vorbereitung: Erforderlich
Kontrastmittel: Nicht erforderlich
Untersuchung: Zuerst wird im konventionellen Röntgen eine Leeraufnahme der Galle angefertigt. Danach folgt eine sonographische Untersuchung des Oberbauchs.
Zu beachten: Ersetzt die Cholecystographie (Gallenblasendarstellung). Die Durchführung einer solchen ist nicht mehr möglich, da das dazu benötigt Kontrastmittel nicht mehr hergestellt wird.
Einsatzgebiete - Nachweis von Gallensteinen
- Nachweis, dass sich die Gallenblase nach Reiz verkleinert
Gallengang-Röntgen (intravenöse Cholangiographie)
Vorbereitung: Erforderlich
Kontrastmittel: Erforderlich
Untersuchung: Wie beim einfachen Gallenröntgen wird zunächst eine Leeraufnahme angefertigt. Danach wird ein spezielles Kontrastmittel in eine Vene als Infusion verabreicht. Dieses Kontrastmittel wird über die Leber ausgeschieden und sammelt sich in der Gallenblase an, färbt aber auch die Gallenwege an, sodass sie im Röntgen erkennbar werden. Wenn die Gallenblase noch vorhanden ist, wird abschliessend eine Reizmahlzeit (Schokolade) verabreicht, um zu prüfen, ob sich die Gallenblase noch zusammenziehen kann. Die Untersuchung dauert etwa drei Stunden, weil die Ausscheidung des Kontrastmittels aus der Leber relativ langsam vonstatten geht. In Ausnahmefällen kann es auch bis zu fünf Stunden dauern.
Diese Untersuchung hat durch die Verwendung des Ultraschalls viel an Bedeutung verloren und wird nur noch selten angewandt.
Einsatzgebiete - Vor einer endoskopischen Gallenblasenentfernung, um über etwaige Störungen an den Gallenwegen informiert zu sein
- Bei sonographischen Verdacht auf eine Abflussstörung im Gallengang
Schädel- und Knochenröntgen (Skelettaufnahmen)
Vorbereitung: Nicht erforderlich
Kontrastmittel: Nicht erforderlich
Untersuchung: Das Skelettröntgen kann rasch und einfach durchgeführt werden und bietet wirtschaftlich ein gutes Preis/Leistungsverhältnis auf niedrigem Niveau, ist jedoch zur Frühdiagnose nur eingeschränkt geeignet. Grundsätzlich sind immer Röntgenaufnahmen in zwei Ebenen (von vorne und von der Seite) zu dokumentieren. Generell gilt, dass der höchste Grad an diagnostischer Sicherheit nur durch Vergleich der kranken mit der gesunden Seite erzielt werden kann; es sollte daher generell bei Aufnahmen der Arme oder Beine eine Vergleichsaufnahme der gesunden Seite dokumentiert werden.
Zu beachten: Um die richtige Diagnose stellen zu können, ist es manchmal notwendig, Vergleiche im Zeitverlauf bzw. Vergleiche zur anderen, gesunden Seite anzustellen. Der Patient wird daher gebeten, alte Bilder zur Untersuchung mitzubringen. Für weiterführende Untersuchungen wie CT, MRT oder nuklearmedizinische Methoden sind die sogenannten konventionellen Röntgenbilder eine unentbehrliche Grundlage und sollten daher auch zu diesen Untersuchungen mitgebracht werden.
Einsatzgebiete - Knochenbrüche (Frakturen)
- Abnützungserscheinungen an Gelenken (Arthrosen)
- Stoffwechselbedingte Knochenveränderungen (Osteoporose, Diabetes-Schäden), entzündliche Knochen- und Gelenksveränderungen (Osteomyelitis, Arthritis), Skelettveränderungen bei Geschwulstleiden (Metastasen)
- Fehlhaltungen bzw. Fehlstellung von Gelenken (Skoliose, Hammerzehen)
- Krankhafte Veränderungen in den Nasennebenhöhlen, Schläfenbeinen, Innenohren
- Nachweis von Eiterherden in der Umgebung von Zahnwurzeln
Röntgen der Niere und ableitenden Harnwege (IVP, IVU)
Vorbereitung: Erforderlich (IVP)
Kontrastmittel: Erforderlich
Untersuchung: Die Untersuchung dauert ca. eine halbe Stunde, da es so lange dauert, bis die Niere das Kontrastmittel wieder ausgeschieden hat.
Zunächst wird eine Leeraufnahme des Harntrakts (des gesamten Bauches) angefertigt, um verkalkte Steine nachzuweisen; solche wären später im kontrastmittelgefüllten Nierenhohlsystem nicht mehr zu erkennen. Danach wird ein Kontrastmittel verabreicht, welches die Harnblase aber auch die Harnleiter anfärbt, sodass sie im Röntgen erkennbar werden. Wenn eine Abflussstörung der Harnblase zu vermuten ist (z.B. bei Prostataproblemen oder Blasensenkung), wird abschliessend noch eine Aufnahme nach Entleerung der Blase angefertigt, um die Menge eines allfälligen Restharns abschätzen zu können.
Einsatzgebiete - Harnabflussbehinderung, verursacht durch Steine
- Nachweis oder Ausschluss von Geschwulsterkrankungen der Nieren oder der Harnblase
- Bei einem verdächtigen Ultraschallbefund
Röntgen zur Feststellung der Harnblasenfunktion
Vorbereitung: Nicht erforderlich
Kontrastmittel: Erforderlich
Untersuchung/Einsatzgebiet: Die Blase wird über einen dünnen Katheter mit Kontrastmittel aufgefüllt, um Rückfluss in die Harnleiter nachzuweisen oder krankhafte Verengungen der Harnröhre zu finden.
Phlebographie (Venographie; Röntgen der Venen am Bein oder Arm)
Vorbereitung: Nicht erforderlich
Kontrastmittel: Erforderlich
Untersuchung: Durch Gabe von Kontrastmittel lässt sich die Blutzirkulation darstellen. In der Regel wird ein jodhaltiges Kontrastmittel in die Hautvenen des Fussrückens eingespritzt. Dieses fliesst über das Venensystem des Beines in den Körper, was durch konventionelle Röntgenaufnahmen und Durchleuchtung dargestellt werden kann. Die Untersuchung dauert ca. 15-30 Minuten.
Einsatzgebiete: - Nachweis von Verschlüssen tiefer Beinvenen bei Blutgerinnseln (Beinvenenthrombosen)
- Vor Operationen an Krampfadern zur Darstellung der tiefen Beinvenen