Nuklearmedizinische Untersuchungen liefern Diagnosen, die mit anderen Untersuchungsmethoden nicht gestellt werden können. Meist geht es dabei um die Beurteilung von Stoffwechselvorgängen mit Hilfe schwach radioaktiver Substanzen.
Damit die radioaktive Substanz in das gewünschte Organ wandert, wird sie an ein geeignetes Medikament gebunden, das in den Stoffwechsel des zu untersuchenden Organs eingeschleust wird. Das Aufnahmegeräte ist ein Grossflächendetektor, eine Art riesiger Geigerzähler, der sehr knapp über der Körperoberfläche gehalten wird und in Abhängigkeit von der Untersuchungsregion in gleicher Position bleibt, rotiert oder den Körper von oben nach unten abtastet. Aus den Messdaten errechnen leistungsstarke Computer zwei- und dreidimensionale Bilder. Die Bilder sind zwar nicht so scharf wie Röntgenbilder bzw. CT- oder MRT-Bilder, dafür wird die Funktion der Zielorgane als Bild dargestellt.
![Schilddrüse im Szintigramm: [1] Normalbefund. [2] «Kalter Knoten», z.B. Zyste, die kein Hormon produziert (rechts im Bild). [3] «Heisser Knoten», links im Bild. Schilddrüse im Szintigramm: [1] Normalbefund. [2] «Kalter Knoten», z.B. Zyste, die kein Hormon produziert (rechts im Bild). [3] «Heisser Knoten», links im Bild.](http://media.gesundheitsprechstunde.ch/data/2057.jpg) |
| Schilddrüse im Szintigramm: [1] Normalbefund. [2] «Kalter Knoten», z.B. Zyste, die kein Hormon produziert (rechts im Bild). [3] «Heisser Knoten», links im Bild. |
Untersuchung: Der Patient liegt bei der Untersuchung ruhig auf dem Rücken, während das Aufnahmegerät knapp über seine Körperoberfläche gehalten wird. Bei manchen Untersuchungen bewegt sich der Detektor nicht, bei anderen rotiert er um den Patienten oder er fährt den Körper von oben nach unten knapp über der Oberfläche ab. Da die Strahlung aus dem Gewebe sehr schwach ist, ist es wichtig, dass der Detektor nahe an der Hautoberfläche platziert wird. Nach der Untersuchung sollte man viel trinken und die Blase häufig entleeren, da die Nuklide über die Nieren in die Blase ausgeschieden werden und die Strahlendosis um so geringer ist, je kürzer sie dort verweilen. Binnen 12 bis 24 Stunden ist alles ausgeschieden. Die Strahlenbelastung des Harns ist so gering, dass die Benützung öffentlicher oder privater Toiletten kein Problem darstellt.
Einsatzgebiete - Schilddrüse: Feststellung einer Über- oder Unterfunktion, einer Entzündung oder eines Tumors, Verlaufsbeobachtung und Einstellung der medikamentösen Behandlung bei Fehlfunktionen der Schilddrüse. Die Schilddrüse ist ein wenig beachtetes, aber für viele hormonelle Regelprozesse im Körper sehr wichtiges Organ. Die Beschwerden bei Fehlfunktionen der Schilddrüse können sehr vielfältig sein.
- Niere: Beobachtung der Durchblutung der Nieren und auch der Ausscheidungsfunktion. Feststellung ob z.B. eine Niere überhaupt noch arbeitet und wie viel, Erkennen einer Abflussbehinderung aus einer Niere und Hinweise auf eine Einengung der Nierenarterie (häufiger Grund für Bluthochdruck).
- Skelett: Feststellung, ob Herde einer erhöhten Knochenumbauaktivität im Skelett vorhanden sind. Solche können gefunden werden bei entzündlichen Erkrankungen der Gelenke, bei Knocheninfektionen und auch bei Tochtergeschwülsten von Tumoren.
- Herzmuskel: Beobachtung der Durchblutung des Herzmuskels in Ruhe und nach Anstrengung (Radfahren am Fahrradergometer) bei Patienten mit Herzschmerzen. Dadurch Unterscheidung zwischen Einengung der Herzkranzgefässe und Schmerzen aus anderer Ursache. Hilft, die Patienten herauszufiltern, die von einer Kontrastmitteluntersuchung der Herzkranzgefässe profitieren werden. Verengungen der Herzkranzgefässe sind häufig schuld am Herzinfarkt!
- Lunge: Darstellung der Durchblutung der Lungengefässe oder auch der Belüftung der Lungenflügel. Wichtiger Test, um eine Lungenembolie (Blutgerinnsel in den Lungenarterien) nachzuweisen.
- Gehirn: Darstellung der Durchblutung des Gehirns: Diagnostisch wertvoll bei einigen Gehirnerkrankungen.
- Sentinel-Lymphknoten: Aufspüren der/des «Wächter-Lymphknoten» im Rahmen der Tumorbehandlung.
Positronen-Emissions-Tomographie (PET)
Die Positronen-Emissionstomographie (PET) ist ein modernes bildgebendes Verfahren, mit dem sich Stoffwechselprozesse im Körper sichtbar machen lassen. Bei der Untersuchung bekommt der Patient eine spezielle radioaktiv markierte Substanz injiziert, die sich in dem zu untersuchenden Gewebe anreichert. Die Verteilung der radioaktiven Substanz im Körper wird anschliessend mit einer besonderen Einrichtung, der PET-Kamera, gemessen.
Das am häufigsten eingesetzte PET-Diagnostikum ist F18-Fluordesoxyglukose (F18-FDG), ein Glukose-ähnliches Molekül mit einem radioaktiven Fluor-Atom. Mit F18-FDG lassen sich z.B. Gewebe mit einem erhöhten Glukose-Umsatz, wie etwa Tumore, gezielt im Körper aufspüren.
Ausser in der Onkologie werden PET-Untersuchungen auch erfolgreich in der Herzdiagnostik oder der Neurologie eingesetzt, so etwa bei der Abklärung von Alzheimer-Demenz oder von therapieresistenter Epilepsie.
Die PET-Technik lässt sich mit der Computertomographie zu einem diagnostischen Verfahren kombinieren, das insbesondere in der Krebsdiagnostik neue Wege eröffnet. Mit PET-CT gelingt es, Tumore früher als bisher zu entdecken, die Therapie genauer zu planen und ihre Wirkung besser zu überprüfen.
Im so genannten Two-in-one-Scanner durchlaufen die Patienten zuerst die CT- und anschliessend die PET-Komponente des Geräts. Die aus beiden Aufnahmen gewonnenen Daten werden zu einem Bild kombiniert. Dieses zeigt sowohl die charakteristischen Flecken, mit denen sich Krebs in der PET verrät, als auch die anatomischen Strukturen der CT, die der PET-Aufnahme als eine Art dreidimensionale Landkarte hinterlegt werden. Ein PET-CT-Bild ermöglicht eine exakte Beurteilung von Befunden, die in PET und CT allein nicht eindeutig sind.