Wer Medikamente nicht auf traditionellen Wegen, sondern im Internet kauft, sollte genau wissen, was er tut – und die Finger von unseriösen Angeboten lassen. VON FRANCO BASSANI Hand aufs Herz: Wie reagieren Sie, wenn Ihnen eine gefälschte Luxusuhr präsentiert wird? Empört? Selbst wenn der zum Vergleich genannte Preis des Originals völlig überrissen erscheint, ja regelrecht unanständig? Da wird aus der frechen Fälschung doch schnell salonfähige Konsumkritik. Und dass die Imitation am Handgelenk jemandem schaden soll, klingt reichlich übertrieben.
Dabei steckt hinter der «harmlosen» Imitation ein kriminelles Milliardengeschäft, das nicht nur weltweit Wirtschaftszweige schädigt, sondern auch ganz direkt unsere Gesundheit angreift. Denn Produktepiraterie beschränkt sich nicht nur auf Luxusgüter – die Fälscher schrecken auch vor Medikamenten nicht zurück.
Zwar ist die Wahrscheinlichkeit ausserordentlich klein, in der Schweiz auf gefälschte Medikamente zu stossen. Wenigstens solange man sie über Apotheken, Drogerien oder Ärzte bezieht. Der Markt ist überschaubar, die Vertriebskanäle sind klar reglementiert und werden durch die Behörden streng kontrolliert. Gefährlich wird es aber, wenn dieses sichere Terrain verlassen wird und Anbieter im Internet ins Spiel kommen. Sei es, weil ein gewünschtes Mittel dort günstiger oder rezeptfrei erhältlich ist oder weil es in der Schweiz (noch) gar nicht angeboten wird. Was da im Einkaufskorb landet, muss durchaus nicht dasselbe sein, was dann tatsächlich per Post verschickt wird.
- Wenn Sie sich krank fühlen, medizinische Beratung oder ein bestimmtes Arzneimittel benötigen, wenden Sie sich an eine Fachperson in Ihrer Umgebung.
- Kaufen Sie ausschliesslich Arzneimittel, die von Swissmedic zugelassen worden sind. Solche tragen den Swissmedic-Schriftzug im Kreis auf der Medikamentenpackung. Ausserdem sind alle zugelassenen Arzneimittel auf www.swissmedic.ch publiziert.
- Wenn Sie Hinweise dafür haben, dass von der Schweiz aus nicht zugelassene Arzneimittel im Internet angeboten, importiert oder exportiert werden, können Sie dies per Mail an market.surveillance@swissmedic.ch melden.
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Ein Beispiel von vielen: Im Sommer 2008 wurden vom Schweizer Zoll 34 sogenannte Erektionsförderer beschlagnahmt. Bei 18 Präparaten handelte es sich um Fälschungen, bei denen Angaben zu Namen, Hersteller oder Wirkstoffmenge falsch waren. Die anderen 16 waren Nachahmerpräparate ohne jegliche Informationen zu Risiken und Nebenwirkungen.
Was zwei zentrale Problembereiche aufzeigt: fehlende Produktesicherheit und fehlende fachliche Beratung. Im Internet werden zahllose gefälschte, ungeprüfte, verfallene, qualitativ schlechte und wirkungslose Arzneimittel angeboten, ebenso rezeptpflichtige Präparate ohne ärztliche Verschreibung. «Rein pflanzliche Naturpräparate» entpuppen sich als Chemiecocktails, Schlankheitspillen können auch mal Bandwurmeier enthalten – Wundermittel wecken falsche Hoffnungen oder fördern das zu kurierende Leiden sogar noch.
Die Liste liesse sich beliebig verlängern. Das Internet deshalb aber zu verteufeln, wäre falsch. Denn wie überall kommt es auch hier auf die vernünftige Nutzung an. Dazu hat das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic einen umfassenden Leitfaden zusammengestellt, der zum Beispiel auf dieser Seite als PDF heruntergeladen werden kann. Also gehen Sie auf Nummer sicher, und informieren Sie sich – und fragen Sie im Zweifelsfall Ihren Arzt oder Apotheker!
(Quelle: Gesundheit Sprechstunde 20/2008)