Komplementärmedizin
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Wie die Fiebertherapie setzen auch die im Folgenden beschriebenen Hyperthermieverfahren auf die therapeutische Kraft gezielter Überwärmung. Anders als bei der Fiebertherapie erfolgt die Wärmezufuhr bei der Ganzkörperhyperthermie, der lokoregionalen Tiefenhyperthermie und der lokalen Thermotherapie jedoch passiv.

Die systemische Ganzkörperhyperthermie (SGHT) funktioniert über eine Infrarot-A-Lichtbestrahlung. Das verwendete Licht im Infrarotbereich enthält hohe Anteile kurzwelliger Strahlen, die unter Schonung der Haut weit ins Gewebe eindringen und dort in Wärmeenergie umgewandelt werden.

Damit der Körper des Patienten die eingestrahlte Wärme nicht gleich wieder abgibt, wird über dem Patientenbett eine Isolierkabine eingerichtet. Die Ganzkörperhyperthermie wirkt immunmodulierend auf den gesamten Organismus und wird bei systemischen rheumatischen Krankheiten, Autoimmunerkrankungen, Schmerzzuständen sowie in der Krebsbehandlung bei fortgeschrittenen Tumorleiden und zur Metastasenvorbeugung eingesetzt.

In der Onkologie wird zudem mit der Methode der Ganzkörperintensivhyperthermie gearbeitet: Ebenfalls mittels Infrarot-A-Lichtbestrahlung wird dabei eine Erhöhung der Körpertemperatur auf 41 bis 41.5° C angestrebt. Die Behandlung wird unter allgemeiner Sedation und permanenter intensivmedizinischer Betreuung des Patienten durchgeführt. Eine Behandlungssitzung dauert vier bis sechs Stunden. Unter den Bedingungen der Ganzkörperintensivhyperthermie gelingt es, Krebszellen mittels Überwärmung selektiv zu zerstören. Gleichzeitig steigt die Aktivität aller immunologisch aktiven Zellen, und die Antikörperbildung der patienteneigenen Krebsabwehr wird intensiviert. Während der Behandlung verabreichte biologische Medikamente zur Krebsbekämpfung ebenso wie synthetisch hergestellte Zytostatika (Zellgifte) erreichen durch die Ganzkörperintensivhyperthermie eine eindeutig verstärkte Wirkung. Sie können deshalb tiefer dosiert werden und verursachen daher weniger Nebenwirkungen.


Die lokoregionale Tiefenhyperthermie kommt vor allem in der Krebstherapie zur Anwendung. Bei diesem Verfahren werden - anders als bei der Ganzkörperhyperthermie - gezielt die tumorbefallenen Organe überhitzt. Ein spezielles Gerät macht es möglich, tief liegende oder einer Operation nicht zugängliche Tumoren gezielt zu bekämpfen. Dabei wird über elektromagnetische Felder (Kurzwellentechnologie) im Innern des Tumors eine Temperaturerhöhung auf bis zu 42.5° C erzeugt. Da Tumorzellen auf Überwärmung anders reagieren als gesundes Zellmaterial, erreicht man den gewünschten lokalen Hyperthermieeffekt zur Zerstörung von Tumorzellen, ohne gesundes Gewebe zu schädigen. Bei einer gleichzeitigen Chemotherapie erlaubt die lokoregionale Tiefenhyperthermie, die Medikamentendosen ohne Wirksamkeitsverlust bis auf einen Viertel zu reduzieren.


Die lokale Thermotherapie wird zum Beispiel in der Behandlung von Prostataleiden (transurethrale, durch die Harnröhre erfolgende Hyperthermie-Behandlung) angewandt: Hierbei wird nach Ausmessen der Prostata unter lokaler Betäubung ein Katheter in die Harnröhre eingebracht. Durch die darauffolgende Energiezufuhr mittels Mikrowellen erwärmt sich das Tumorgewebe auf über 50° C, was zu einer gezielten Gewebszerstörung führt. Das Verfahren mittels Mikrowellen entspricht dem neuesten Stand der Technologie. Insbesondere in Kombination mit individuell bestimmten natürlichen oder auch synthetischen Medikamenten ergeben sich in vielen Fällen erfolgversprechende, schonende Behandlungsmöglichkeiten.
 
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